Freitag, 04. November 2011 18.00 Uhr – Samstag, 05. November 2011, 17.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Männerleiber

Körperlichkeit zwischen Sein und Tun

Der männliche Körper ist ein Politikum. Der Körper ist Gegenstand vergeschlechtlichter und vergeschlechtlichender Körperpolitik und Körperpraxis. Wie sehr das Körperliche von Geschlechterpolitik berührt ist, verdeutlicht der feministische Kampf für die Abschaffung des Straftatbestandes beim Schwangerschaftsabbruch. Ein Kampf, der in Deutschland so lange geführt wird, wie es Deutschland gibt, seit 1871 (und der schon 1972 in der DDR erfolgreich abgeschlossen worden ist). Der Zusammenhang von Körper und Geschlecht ist bereits eingehend diskutiert, allerdings vorrangig mit Blick auf den Frauenkörper. 

Die Fachtagung verfolgt drei Fragerichtungen:
  • Was macht einen Körper zu einem männlichen Körper?
  • Was machen Männer und Jungen mit ihren Körpern – vielleicht auch und gerade, um besonders männlich zu sein?
  • Was machen Staat und Gesellschaft mit den Körpern von Männern?

Auch für den männlichen Körper gilt: Er ist neben seiner Materialität aus von Haut umschlossenen Muskeln, Knochen, Organen ein Objekt für soziokulturelle normative Einschreibungen. Er ist die subjektive Arena für den Kampf, das richtige Geschlecht zu sein, zu haben, zu inszenieren oder zu repräsentieren: zum Beispiel durch Gestik, Mimik, Haltung, Ernährung, Training, Kleidung. 
Die Tagung fragt nach den kollektiven Deutungen und Wertungen und  nach den individuellen Interpretationen und Umsetzungen. Zudem werden die Freiheitsgrade der Selbstgestaltung und das Maß an essentieller Materialität abzuwägen sein: Wie viel autonom absichtsvoller Akt und wie viel unausweichliche, mithin erzwungene Praxis der Wiederholung und Zitation ist der Körper eines Mannes? (Vgl. dazu Judith Butler: Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts, Frankfurt/M: Suhrkamp 1995).

Um Fragen wie diese zu klären, beleuchtet die Tagung Institutionen, Akteure und Praktiken, denen gemein ist, dass sie als Schnittpunkte im Körperdiskurs begriffen werden können. Konkret geht es um Jungen und ihren Umgang mit dem eigenen Körper, besonders um riskante Praktiken. Ein anderes Thema wird die Beschneidungspraxis und ihr Männlichkeit konstituierender Sinngehalt zwischen Initiationsritus und Hygienemaßnahme sein. Männer können ihren Körper in einer meditativen Körperreise ‹erfahren›. Auch wird die Frage nach dem Dualismus Gesundheit – Krankheit gestellt und nach dem damit verbundenen Blick auf den männlichen Körper als einen zu reparierenden Gegenstand oder als ein möglichst gesund zu erhaltendes System. In den Blick kommen wird auch der männliche Körper im Kontext von Militär. Dabei geht es um Verfügungsgewalt über Köper und um ihre ‹Zurichtung› vom zivilen zum soldatischen Körper und ihre Auswirkung auf Männlichkeitskonstruktionen und Geschlechterverhältnisse. Von besonderer Bedeutung ist das Thema Transsexualität, weil es die Verschiebbarkeit der materiellen Grenzen des geschlechtlichen Körpers sichtbar macht. Das Politische (im engen staatspolitischen Sinne) tritt hier besonders klar als Akteur auf, gewissermaßen als Wächter der Normalzweigeschlechtlichkeit.

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