Diskussion Dienstag, 13. Oktober 2015 in
Berlin

The Manufacturing of Rights

Homosexualität und die rechtliche Definition von "Natur" im Libanon

Datum, Uhrzeit
Dienstag, 13. Oktober 2015, 19.00 Uhr – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Teilnahmegebühren
Ticket Created with Sketch.
frei
Veranstalter/in
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Teil der Reihe
Re:Claim Human Rights

Homosexualität ist im Libanon bis heute ein Straftatbestand, da es ein „Akt gegen die Natur“ sei, so der Gesetzestext. Ähnliche Gesetze finden sich als Relikte in vielen ehemaligen britischen und französischen Kolonien. Abgesehen davon, dass derlei Gesetze einen massiven Verstoß gegen die Menschenrechte darstellen, sind sie aber auch juristisch nicht haltbar, ja geradezu widersinnig.

Das haben sich Aktivist/innen aus Beirut zu Nutze gemacht. Mit der Kampagne „Manufacturing of Rights“ führen sie das Gesetz mit juristischen Mitteln ad absurdum und stellen es öffentlich zur Disposition – mit großem Erfolg. In verschiedenen Prozessen gegen Schwule/Lesben gelang es Anwält/innen der Gruppe Freisprüche zu erwirken: Sie überzeugten den Richter davon, dass die „Natur“ kein juristisch definierter Begriff ist und daher auch nicht zur Rechtfertigung eines Straftatbestandes herangezogen werden kann. Die entsprechenden Urteile wurden im Libanon viel beachtet und verliehen der öffentlichen Debatte um die Abschaffung des besagten Paragraphen neuen Schub. Infolgedessen veränderte sich sprachlich auch der Mediendiskurs über Homosexualität im vergangenen Jahr. Homosexuelle werden in den Medien mittlerweile nicht mehr als „Abweichler/innen“ bezeichnet, sondern als „Mithliyin“ – frei übersetzt, als „diejenigen, die sich an Ihresgleichen halten“. Diesen Fortschritten gegen die Diskriminierung stehen jedoch immer noch andere Fälle gegenüber: Im August 2014 wurde z.B. ein Hammam geräumt, das als Schwulentreffpunkt bekannt war; 27 Männer wurden verhaftet. Und auch weiterhin gibt es staatliche Übergriffe auf Homosexuelle. Dies betrifft vor allem die sozial Schwachen, denn die relative Freiheit, die Homosexuelle im Libanon genießen, hängt stark von den Einkommensverhältnissen und dem sozialem Status ab. Damit wird deutlich, dass der liberalere Trend zum Umgang mit Homosexualität nur eine eingeschränkte gesellschaftliche Reichweite hat.

Im Rahmen der Podiumsdiskussion stellen Aktivist/innen aus dem Libanon die aktuelle Debatte zu den Rechten von Homosexuellen im Libanon anhand des kreativen Ansatzes von „Manufacturing of Rights“ dar und suchen im Gespräch Anknüpfungspunkte zu den jeweiligen Debatten in Deutschland und anderen Ländern.

Die Veranstaltung findet im Rahmen von Re:Claim Human Rights! statt.

Mit:

  • Nizar Saghieh, Legal Agenda, Libanon
  • Sandra Terdjman, Direktorin, The Manufacturing of Rights, Libanon
  • Moderation: Dr. Ines Kappert, Leiterin des Gunda-Werner-Instituts

Information:    
Birgit Arnhold
E-Mail arnhold@boell.de
Telefon +49(0)285 34 -353