Mittwoch, 26. September 2012 19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern

'Menschenrechte im kambodschanischen Landsektor - Herausforderungen für die Entwicklungszusammenarbeit'

Mit:
Dr. Natalie Bugalski, (Juristin und Autorin, Phnom Penh);
Eang Vuthy, (Direktor Equitable Cambodia, Phnom Penh);
Heng Mom, (Vertreterin einer von Zwangsumsiedlung betroffenen Gemeinde in Phnom Penh),
Manfred Hornung, (Heinrich Böll Stiftung, Kambodscha),
Katrin Altmeyer, (Heinrich Böll Stiftung, Moderation)

In Kambodscha werden Millionenbeträge in Form von Hilfsleistungen oder Darlehen mit dem Ziel ausgegeben, Landbesitz- und Landnutzungsrechte abzusichern und den Umgang mit Land und natürlichen Ressourcen gerechter und nachhaltiger zu gestalten. Trotz dieser Anstrengungen haben systematischer Landraub und die damit einhergehenden Zwangsmaßnahmen gegen die einfache Bevölkerung in den letzten Jahren erheblich an Intensität zugenommen.

Kambodscha hat die wichtigsten internationalen Menschenrechtsabkommen unterzeichnet und ist somit rechtlich an deren Bestimmungen gebunden. Internationalem Recht zufolge trägt Kambodscha die Hauptverantwortung dafür, Menschenrechte im eigenen Lande zu achten und zu schützen. Allerdings tragen auch andere Staaten, die diese Abkommen gleichfalls unterzeichnet haben und die mit der kambodschanischen Regierung finanziell oder technisch bei Entwicklungsprojekten zusammenarbeiten, ein gewisses Maß an extraterritorialer Verantwortung dafür, dass die Menschenrechte in Kambodscha geachtet werden.
 
Vor diesem Hintergrund werden die Podiumsgäste darüber diskutieren, wie Entwicklungsmaßnahmen im Landsektor Kambodschas von Partnerländern wie Deutschland so gestaltet werden können, dass Abläufe und Instrumente, die dazu beitragen, Rechte, Transparenz und Rechenschaftspflicht zu fördern, fester Bestandteil der Länderstrategie sind. Dr. Natalie Bugalski wird die Ergebnisse ihrer unlängst erschienenen Studie “Ein Menschenrechtsansatz zur Entwicklung des Landsektors in Kambodscha“ vorstellen. Ergänzt wird dies durch Beiträge von Eang Vuthy, dessen Organisation „Equitable Cambodia“ kambodschanische Familien, die in Konflikte um Land verwickelt sind, unterstützt.
Heng Mom wird von ihren eigenen Erfahrungen berichten und es wird ein kurzes Video über den Kampf kambodschanischer Frauen gegen zunehmend brutale Zwangsräumungen zu sehen sein. Heng Mom lebt in Phnom Penh. Wie Tausende andere Menschen musste sie erleben, wie ihr Zuhause im Zentrum der Stadt, einem großflächigen „Entwicklungsprojekt“ eines Senators der Regierungspartei zum Opfer fiel, obwohl dieses Gebiet ursprünglich zur Landtitelvergabe an die dort seit Jahren lebende Bevölkerung vorgesehen war.
 
Die Rednerinnen und Redner werden auf die Rolle der Entwicklungspartner/innen bei diesen bedenklichen Entwicklungen im Landsektor eingehen. Wie können wir in Deutschland dazu beitragen, dass in einem politischen Umfeld, in dem gut vernetzte Eliten über Land und natürliche Ressourcen nahezu schrankenlos verfügen können, die am meisten gefährdeten Teile der kambodschanischen Gesellschaft nicht all ihrer Lebensgrundlagen beraubt werden?