- Mittwoch, 29. April 2009 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Mittwochsgesellschaft mit Dr. phil. habil. Frieder Otto Wolf, Philosoph und Politikwissenschaftler
Finanz-, Wirtschafts- und Klimakrise – wir fragen nach den Ursachen und den Antworten
Die Blase platzte in den USA – und versetzte zunächst das Finanzsystem weltweit in unkontrollierte Bewegungen. Die global verflochtenen Finanzströme und Ökonomien brachten und bringen nationale Währungen und Wirtschaften ins Wanken, die 'Bonität' von Banken und Staaten war über Nacht dahin, die jetzt Notleidenden hatten sich mit ihren eigenen 'kranken' oder 'vergifteten' Finanzprodukten infiziert. Schlagartig wurde deutlich, dass sich die neue Ökonomie vom klassischen 'Wert' längst verabschiedet hatte und stattdessen der shareholder value, der Börsenwert der Aktien den 'Wert' von Unternehmen und deren Strategie zur Maximierung des Marktwerts bestimmte. Ob faule Hypotheken oder Kreditkarten, hochspekulative Investitionsfonds oder 'feindliche' Übernahmen von Unternehmen – sie belegen die Anfälligkeit eines Systems, das auf virtuelle Werte baut: HypoRealEstate hat sich als nicht nur semantischer Betrug entlarvt.
Fatalerweise sind die Folgen eines derartigen Systemcrashs sehr real: Die auf Wachstum programmierten Volkswirtschaften schrumpfen, ganze Branchen stehen auf der Kippe, Absatzmärkte schwinden, Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, der Geldwert wird instabil, die Verschuldung vor allem der öffentlichen Hand nimmt dramatisch zu.
Die Bundesregierung antwortet mit Rettungs- und Konjunkturpaketen, mit Abwrackprämien, deren Ausdehnung auf andere Konsumgüter gerade diskutiert wird. Wo sind die politischen Konzepte für eine Neuausrichtung der Wirtschaft? Brauchen wir eine Abwrackprämie für Marktideologien, Deregulierer, Gesundbeter und die Verfechter des 'weiter so'?
Auch die zweite Krise kennt keine Grenzen, der Klimawandel betrifft alle Länder, die Ärmeren vermutlich mehr als die jetzt noch Reichen. Ohne ein nachhaltiges Konzept kann uns der Klimawandel morgen gigantische Summen kosten. Weil Finanz-, Wirtschafts- und Klimakrise zugleich und nicht nacheinander gelöst werden müssen, um nicht mehr beherrschbare Folgen zu vermeiden, müssen nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen gesehen werden, die in einem nachhaltigen klima- und wirtschaftspolitischen Gesamtkonzept liegen, das Gesellschaften zu veränderten Zielen hinführt: Die Chance, Ziele umwelt- und klimabewusst zu setzen, Wirtschaft nach neuen sozialen Zielen auszurichten, nicht mehr nur wachstumsorientiert, sondern ökologisch zu gestalten und mehr Gerechtigkeit zu erreichen, ist vorhanden. Bietet der Green New Deal hier Antworten?
Dr. phil. habil. Frieder Otto Wolf ist Philosoph und Politikwissenschaftler. Seit 2003 ist er Koordinator des thematischen Netzwerkes Sustainability Strategy an der Freien Universität Berlin. Wir möchten mit ihm darüber sprechen, ob es sich bei der gegenwärtigen Krise um eine Krise unseres Systems handelt, was ihre Ursachen sind und welches das wirksamste Mittel sein kann, sie zu überwinden.
Moderation: Inka Thunecke und Joachim Gessinger
Fatalerweise sind die Folgen eines derartigen Systemcrashs sehr real: Die auf Wachstum programmierten Volkswirtschaften schrumpfen, ganze Branchen stehen auf der Kippe, Absatzmärkte schwinden, Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, der Geldwert wird instabil, die Verschuldung vor allem der öffentlichen Hand nimmt dramatisch zu.
Die Bundesregierung antwortet mit Rettungs- und Konjunkturpaketen, mit Abwrackprämien, deren Ausdehnung auf andere Konsumgüter gerade diskutiert wird. Wo sind die politischen Konzepte für eine Neuausrichtung der Wirtschaft? Brauchen wir eine Abwrackprämie für Marktideologien, Deregulierer, Gesundbeter und die Verfechter des 'weiter so'?
Auch die zweite Krise kennt keine Grenzen, der Klimawandel betrifft alle Länder, die Ärmeren vermutlich mehr als die jetzt noch Reichen. Ohne ein nachhaltiges Konzept kann uns der Klimawandel morgen gigantische Summen kosten. Weil Finanz-, Wirtschafts- und Klimakrise zugleich und nicht nacheinander gelöst werden müssen, um nicht mehr beherrschbare Folgen zu vermeiden, müssen nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen gesehen werden, die in einem nachhaltigen klima- und wirtschaftspolitischen Gesamtkonzept liegen, das Gesellschaften zu veränderten Zielen hinführt: Die Chance, Ziele umwelt- und klimabewusst zu setzen, Wirtschaft nach neuen sozialen Zielen auszurichten, nicht mehr nur wachstumsorientiert, sondern ökologisch zu gestalten und mehr Gerechtigkeit zu erreichen, ist vorhanden. Bietet der Green New Deal hier Antworten?
Dr. phil. habil. Frieder Otto Wolf ist Philosoph und Politikwissenschaftler. Seit 2003 ist er Koordinator des thematischen Netzwerkes Sustainability Strategy an der Freien Universität Berlin. Wir möchten mit ihm darüber sprechen, ob es sich bei der gegenwärtigen Krise um eine Krise unseres Systems handelt, was ihre Ursachen sind und welches das wirksamste Mittel sein kann, sie zu überwinden.
Moderation: Inka Thunecke und Joachim Gessinger
- Veranstalter*in
- Landesstiftung Brandenburg