Lesung und Gespräch
- Mittwoch, 07. Dezember 2016 18.00 – 20.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Morgenluft für Ideologen oder was kann die Gesellschaft zusammenhalten!?
Grüner Salon Münster - Lesung und Diskussion
Griechenland, Euro-Krise und der Umgang mit Geflüchteten haben nachdrücklich gezeigt, dass die EU mit großen Problemen fertig werden muss. In dieser kritischen Lage mehren sich Stimmen unterschiedlichster Provenienz, die Europa attackieren und europäische Werte infrage stellen: Identitäre wie der Massenmörder Anders Breivik, Dschihadisten wie der Syrer Abu Musab al-Suri, »Eurasier« wie der Putin-Berater Alexander Dugin, aber auch einige Linkspopulisten am Rande von Syriza und Podemos. Sie alle stellen - wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven - die politische Union und die europäische Demokratie so radikal infrage, wie es seit 1945 keine politische Bewegung mehr getan hat.
Claus Leggewie porträtiert diese politischen Unternehmer, die unabhängig voneinander, aber oft in ungewollter Komplizenschaft die „Festung Europa“ schleifen wollen. Er identifiziert sie als Feinde der Aufklärung und der Demokratie, denen Freiheit und Gleichheit verhasst und Europa und der Westen ein Inbegriff ihrer Feindschaft sind. Eine zentrale Gemeinsamkeit ist - so Leggewie -, ihnen ist das Konzept des westlichen Individuums verhasst.
Leggewie erklärt, woher sie kommen und welche Pläne sie verfolgen. Wären sie auch nur teilweise erfolgreich - so sein Resümee -, stünde am Ende ein radikal anderes, autoritäres, fundamentalistisches Europa:
- statt kulturellem Pluralismus weiße Suprematie,
- statt Religionsfreiheit Gottesstaat,
- statt Demokratie Autokratie,
- statt Gleichberechtigung Patriarchat,
- statt Individualität Unterwerfung.
Und Leggewie fordert dazu auf, sich endlich politisch mit den sogenannten Anti-Europäern auseinanderzusetzen. Und dabei nicht stehen bleiben, sondern auch eine Alternative aufzuzeigen. So meint er in der taz vom 29.6.2016 auf die Frage, wie so eine gelungene europäische Erzählung aussähe: „Eine Erzählung davon, wie wir in den nächsten beiden Jahrzehnten ein nachhaltiges Europa schaffen, aber auch eines, das sozial gerechter ist, das öffentliche Räume erhält und schafft, das lebenspraktisch klarmacht, welche Vorzüge europäische Urbanität besitzt, wie eine Kultur des Pluralismus aussieht. Vieles von dem existiert ja längst. Aber wir müssen präziser beschreiben, was wir an Europa gut finden, es ausmalen, so dass das Bild zukunftsfest und für künftige Generationen anziehend ist. Da ist besonders die mittlere Generation gefragt, die im Beruf, im Alltag, im sozialen Engagement Europa sozusagen täglich lebt und baut, dies aber zu wenig nach außen deutlich macht. Eine attraktive europäische Agenda gibt auch Antworten auf die offenen Integrationsfragen, die Alteingesessene nicht minder betreffen. Weil auch Alteingesessene keine Wohnung und keine vernünftige Arbeit finden. Gleichzeitig müssen wir diese Probleme im Kontext der sozialen Ungleichheit betrachten. In diesem Fall: der Knappheit auf dem Wohnungsmarkt...“
Referent:
Claus Leggewie, ist Professor für Politikwissenschaft und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) in Essen sowie des Centre for Global Cooperation Research in Duisburg. Zum Wintersemester 2015/16 wurde er zudem vom Präsidenten der Justus-Liebig-Universität als erster Amtsinhaber auf die jüngst etablierte Ludwig Börne-Professur der JLU berufen. Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU). Seine jüngsten Werke beschäftigen sich mit Partizipations-Demokratie ("Die Konsultative", 2016) und mit der Zukunft Europas ("Die Anti-Europäer", 2016). 2015 veröffentlichte er seine Memoiren „Politische Zeiten. Beobachtungen von der Seitenlinie.“
Moderation:
Wilhelm Breitenbach, Debatte e.V.
Veranstaltungsort:
Theatertreff
Neubrückenstraße 63
48143 Münster
Anmeldung und Eintritt:
Eintritt 5 Euro. Zahlungsweise wird bei Sitzplatzreservierung (empfehlenswert) mitgeteilt. Mail an info@debatte-muenster.de
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- Veranstalter*in
- Landesstiftung Nordrhein-Westfalen
- Teilnahmegebühren
- 5 Euro. Zahlungsweise wird bei Sitzplatzreservierung (empfehlenswert) mitgeteilt. Mail an info@debatte-muenster.de