Mittwoch, 26. November 2008 20.00 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Nachhalten: Greenhouse Development Rights – Germany Report

Anfang Dezember verhandeln die 192 Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention im polnischen Posen über die Zukunft der Klimapolitik. Die Zeit drängt: Bis Ende 2009 müssen die Verhandlungen über ein Nachfolge-Abkommen des Kyoto-Protokolls für die Zeit nach 2012 abgeschlossen sein. Doch die Verhandlungslage ist vertrackt: Seit Jahren klafft ein Graben zwischen den Industrieund Entwicklungsländern.

Klimadiplomatie in der Klemme

Die Industrieländer wollen nur dann wirklich ambitionierten CO2- Emissionsminderungen zustimmen, wenn die Schwellen- und Entwicklungsländer ebenfalls Maßnahmen ergreifen. Diese aber fordern, dass der Norden vorangeht, damit sie ihren Entwicklungsanstrengungen den Vorrang geben können. Die internationale Klimadiplomatie steckt in der Klemme.

Das Greenhouse Development Rights-Modell (GDRs) bietet einen Ausweg aus dem Dilemma. Der Ansatz schlägt ein System der fairen Lastenverteilung vor, bei dem alle Länder einen Beitrag zum Klimaschutz leisten müssen. Aber die Anstrengungen und Kosten werden so verteilt, dass die Entwicklungsländer Armutsbekämpfung und die Umsetzung der Menschenrechte prioritär verfolgen können.

Fairer Klimaschutz ist möglich

Von den reichen Ländern verlangt das GDR-Modell, dass sie tiefgreifendere Emissionsminderungsziele übernehmen müssen, als bisher diskutiert. Für Deutschland schlägt das Modell eine Minderungspflicht von 84 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 vor. Das kann nur gelingen, wenn Deutschland neben einem ambitionierten Klimaschutz zu Hause die Verantwortung und Kosten für Emissionsminderungen in den Entwicklungsländern übernimmt.

Darf sich Deutschland noch Vorreiter nennen, wenn es bis zum Jahre 2020 «nur» 40 Prozent seiner Emissionen reduzieren möchte? Welche Politik brauchen wir, wenn die Bundesregierung im großen Stil Emissionsminderungen in den Entwicklungs- und Schwellenländern erreichen will? Ist das GDRs-Modell ein realistischer Ansatz?

Mit:
Richerd Brand, Evangelischer Entwicklungsdienst
Tilman Santarius, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Berlin
Nicole Wilke, Referatsleiterin internationaler Klimaschutz, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktosicherheit
Niklas Höhne, Manager Energy and Climate Strategy, Ecofys Germany, Köln

Moderation:
Barbara Unmüßig; Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung