Dienstag, 18. November 2008 19.00 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern

Nationale Ideologie und Nationalismus in Georgien

Normal 0 21 Im Vorfeld des jüngsten Südossetien-Krieges spielten die georgischen Medien,
und allen voran das Fernsehen, eine entscheidende Rolle bei der Einstimmung
der Bevölkerung auf einen bevorstehenden Krieg. Vor allem der Sender
„Sakartwelo“ hat sich mit der Propaganda des georgischen Militärs und der
Herabsetzung des Feindes Russland, sowie seiner „Attrappen“ Abchasien und
Südossetien, hervorgetan.
In diesem Krieg scheint der georgische Staat eine fragile Grenze
überschritten zu haben. Die Unterordnung des politischen Messianismus unter
das gesamtkapitalistische Interesse kippte ins Gegenteil. Der Wunsch, die
abtrünnigen Gebiete um jeden Preis ‚zurückzuholen’ war zu groß. Um diesen zu
verstehen, muss man die Geschichte des relativ jüngsten Nationalstaates
Georgien rekapitulieren. Der Nationalismus als irrationales Deutungssystem
spielte in ihr immer schon eine explizite Rolle. Er galt als zweckdienlich
zur Herausbildung der bürgerlich-demokratischen Rechtsform. An dieser
Einstellung scheint auch der folgenschwere Krieg nichts geändert zu haben.

Devi Dumbadze studierte Philosophie und Film- und Fernsehwissenschaft in
Tbilissi und Bochum und promoviert in Bochum zur Kritik der Fernsehtheorien
und Geschichte und Analyse des georgischen Fernsehens.