- Samstag, 03. September 2011 10.00 – 17.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Netz für alle
veranstaltet von `Rosa Luxemburg Stiftung`
Die neuen Kommunikationstechnologien verändern die Räume, in denen
produziert, gearbeitet, gelebt, kommuniziert aber auch politisch
gekämpft und entschieden wird. Neue Modelle für gute Erwerbsarbeit
können sich nicht auf den Sektor angestellter Lohnarbeit beschränken.
Viele Menschen arbeiten im und mit dem Netz. Wer mit den
Kommunikationstechnologien arbeitet, agiert häufig als
Solo-Selbständiger. Es entstehen neue kleinteilige und vernetzte
(Selbst-)Organisations- und Arbeitsformen im kreativen Bereich. Zugleich
können Unternehmen Tätigkeiten verstärkt outsourcen und dezentral
arbeitende „feste Freie“ beschäftigen. Manche können aufgrund dieser
Entwicklungen stärker selbstbestimmt arbeiten, für viele wird dies aber
durch eine prekäre Einkommenssituation und die Entgrenzung von Arbeits-
und Privatleben überschattet. Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit
die neuen Möglichkeiten ein Zugewinn für die Arbeitswelt werden,
insbesondere auch in den Kreativ- und Medienbranchen?
Digitale
Offenheit kann die Demokratie stärken – hierzulande über Bewegungen wie
OpenData, über Whistleblowing-Plattformen, eGoverment und neue
Mitbeteiligung. Die schnelle und von Gatekeepern ungehinderte
Verbreitung von Informationen kann Gegenöffentlichkeiten herstellen und
Regierungen unter Zugzwang setzen. Offene Daten aus Verwaltungen,
Aktionen wieWikiLeaks stärken die praktischeMitsprachemöglichkeit der
Bürgerinnen und Bürger. Wird der Staat auch den letzten Rest seines
Herrschaftswissens aufgeben? Welche Rolle spielt ein freier Zugang zu
einem freien Netz für den Kampf um Menschenrechte in autoritär geführten
Staaten, welche Rolle in Europa?
Je bedeutender das Netz wird,
desto wichtiger werden die Eigentumsverhältnisse – Wer steuert das
Internet – und wer kann es im Zweifelsfall abschalten? Reichen
Marktmechanismen, um die Freiheit des Internets zu sichern? Hat es
Folgen für die Demokratie, wenn Inhalte und Kommunikation zunehmend auf
großen kommerziellen Plattformen wie Google, Apple oder Facebook
verortet sind?
Ohne einen preiswerten und funktionalen
Netzzugang für alle zersplittert die Gesellschaft in Menschen mit und
ohne schnelles Internet – Neben staatlichem Kontrollwahn bringen auch
kommerzielle Gewinninteressen die Freiheit des Netzes unter Druck: die
Kapazität soll knapp gehalten und der Zugang zum Netz priorisiert und
gesteuert werden, wo ein Netzausbau und der Zugang für alle nötig wäre.
Die Konsequenzen daraus werden mit der Verlagerung ökonomischer ,
meinungsbildender und sogar politischer Vorgänge in den digitalen
Raumimmer gravierender. Doch wer bezahlt den Ausbau? Und wer
kontrolliert die Infrastruktur?
Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und
die Fraktion DIE LINKE. im Bundestag stellen auf dieser Konferenz ihre
Positionen zur demokratischen Gestaltung des Netzes, zum Kampf um einen
Zugang für alle und für bessere Arbeits- und Einkommensbedingungen vor.
Grundlage der Diskussionen sind zum einen die parlamentarischen
Aktivitäten der LINKEN und die konzeptionelle Arbeit der
Rosa-Luxemburg-Stiftung zu Netzneutralität, Wikileaks-Debatte,
Internetsperren, Urheberrecht sowie zu sozialer Absicherung und besseren
Einkommensbedingungen von Kreativen. Zum anderen die Arbeitsergebnisse
der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“, in der die
Fraktion DIE LINKE mit Abgeordneten und zwei externen Sachverständigen
von ver.di und dem ChaosComputerClub vertreten ist.
Die Tagung setzt zudem Debatten fort, die auf den Konferenzen „Wem gehört Wissen?“ und „Kapitalismus dot com“ von Fraktion und Stiftung geführt wurden.