- Dienstag, 22. Mai 2012 19.30 – 22.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Ökonomiekritik und Utopie (bei Theodor W. Adorno)
Veranstaltungsreihe zur Aktualität der Kritischen Theorie
Als Philosoph, Soziologe, Musikwissenschaftler, Kunsttheoretiker und
ungerechtfertigterweise vor allem als Kulturkritiker ist Adorno als ein
Klassiker des europäischen Geisteslebens nach dem Tode fest etabliert,
und dies nicht nur in den Wissenschaften, sondern auch im Kulturbetrieb
selbst. Daß er ein radikaler Kritiker der Produktionsverhältnisse war,
kommt allerdings in den allermeisten Referenzen nur als Randnotiz
pflichtschuldig zur Sprache; daß er sich mit ökonomischen Belangen
aufgehalten habe, wird selbst von wohlmeinenden Kommentatoren entweder
bestritten oder im Vergleich zu seinen Leistungen auf anderen Gebieten
bagatellisiert. So sagt Jürgen Habermas: »Mit politischer Ökonomie hat
sich Adorno nie befaßt.« Durchaus typische Einschätzungen wie diese
legen den Verdacht nahe, daß die Adorno-Forschung sich ihrerseits zwar
mit allem möglichen befaßt, aber ausgerechnet das Zentrum der Kritischen
Theorie Adorno verlegen ignoriert habe.
Auf der Grundlage seines Buches »Adornos Kritik der politischen
Ökonomie« (Transcript-Verlag) wird Dirk Braunstein die bis heute
verbreitete Einschätzung widerlegen, daß der Rekurs auf Marx und zumal
auf dessen Kritik der politischen Ökonomie in Adornos Werk ein Relikt
aus bald überwundenen Stadien seiner Theorieentwicklung darstelle,
eines, das er nach der Rückkehr aus dem amerikanischen Exil nur mehr wie
eine kostbare Antiquität mit sich geschleppt habe; ebenso die gängige
Vermutung, daß Adorno sich mit der Marxschen Kritik der politischen
Ökonomie ohnedies nie sehr intensiv beschäftigt habe.
- Veranstalter*in
- Landesstiftung Nordrhein-Westfalen