- Montag, 16. Oktober 2006 20.00 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Polnisch–Deutsche Beziehungen im Spiegel der Medien
Seit einem Jahr beobachtet die deutsche
Öffentlichkeit die politischen Ereignisse
in Polen mit zunehmendem Befremden. In der
kontroversen Debatte über den Bau des
„Zentrums gegen Vertreibungen“ und der
Kritik des deutsch-russischen Abkommens
über den Bau der Ostseepipeline schlägt die
neue Regierung ungewöhnlich scharfe Töne
an. Die in der <a href="http://www.taz.de"
target?_blank">taz</a> veröffentlichte
Satire auf die Gebrüder Kaczynski sorgte
für diplomatische Irritationen. Der
polnische Präsident sagte die Teilnahme an
dem Treffen des Weimarer Dreiecks in Berlin
ab und forderte eine offizielle
Entschuldigung.<br>
<br>
Der Einzug der extremen Randparteien, der
populistischen Samoobrona und der
national-katholischen Liga der Polnischen
Familien in die Regierung wurde in
Deutschland kritisch beobachtet. Die
Entlassung der Samoobrona aus der
Regierungskoalition führte zum Verlust
einer stabilen politischen Mehrheit, und
der folgende Versuch, Abgeordnete mit dem
Versprechen auf politische Ämter
abzuwerben, diskreditierte die Regierung.
Für Irritationen sorgte auch der Versuch,
die schwul-lesbische Gleichstellungsparade
zu verbieten, ebenso wie die verbalen
Ausfälle gegenüber Homosexuellen aus den
Kreisen der regierenden Parteien, die auf
eine antiliberale Verhärtung der
politischen Kultur und des öffentlichen
Lebens in Polen hindeuten.<br>
<br>
In vielen Berichten der deutschen Medien
erscheint Polen als ein Land, das sich von
den europäischen Standards einer liberalen
Demokratie entfernt. Teile der polnischen
Öffentlichkeit antworten darauf mit den
alten Feindbildern und Ressentiments
gegenüber Deutschland. Die Sachlichkeit der
deutschen Berichterstattung wird in Frage
gestellt. Einen aktuellen Anlass bietet ein
Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
über die Schikanen gegenüber den deutschen
Korrespondenten in Polen, den die
Betroffenen selbst als deutlich übertrieben
relativierten. <br>
<br>
Diese Spannungen und Irritationen im
deutsch-polnischen Verhältnis und die Rolle
der Medien für die gegenseitige Wahrnehmung
sind Thema dieser Veranstaltung. Leitfragen
für die Diskussion sind:<br>
<br>
- Welche Ereignisse prägen derzeit das Bild
des Nachbarlandes, und wie spiegeln sie
sich in den Medien?<br>
- Wie informativ und sachlich berichten die
Medien in Polen und Deutschland über
Entwicklungen jenseits der Grenze, und wie
weit verstärken sie Ressentiments und
Stereotype?<br>
- Welchen (partei)politischen Einflüssen
ist die Berichterstattung auf beiden Seiten
ausgesetzt?<br>
- Wie wird Pressefreiheit in Polen und in
Deutschland definiert und praktiziert?<br>
Welche Verantwortung haben Medien in ihrer
Berichterstattung?<br>
- Wie reagiert die polnische Öffentlichkeit
auf die Radikalisierung der politischen
Kultur in Polen? Sieht die polnische
Öffentlichkeit die demokratischen
Freiheitsrechte gefährdet?<br>
<br>
mit:<br>
<br>
<b>Bascha Mika</b>,<br>
Chefredakteurin der deutschen
"tageszeitung" (taz), Berlin<br>
<br>
<b>Thomas Urban</b>,<br>
Korrespondent „Süddeutsche Zeitung<br>
<br>
<b>Piotr Pacewicz</b>,<br>
stellvertretender Chefredakteur „Gazeta
Wyborcza“ - angefragt<br>
<br>
<b>Piotr Semka</b>,<br>
freier Journalist<br>
<br>
<b>Piotr Buras</b>,<br>
Willy-Brandt-Zentrum Wroclaw - angefragt
<br>
<br>
Moderation:<br>
<b>Ralf Fücks</b>, Vorstand der
Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin<br>
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin