Diskussionsabend
- Dienstag, 05. April 2016 19.30 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Ressentiments - Treibstoff einer Gesellschaft der Angst (1402-16)
Grüner Salon Mönchengladbach
Populismus, Panikszenarien, politische Antworten
Debatte mit Reinhard Olschanski (GRÜNE) und Dieter Breymann (CDU)
Ob Geert Wilders in den Niederlanden, Orban und Kaczynski, der französische Front National, die Lega Nord oder neue rechte Parteien in Finnland, Schweden, Dänemark sowie hierzulande die AfD und Pegida: Der Geist des Ressentiments kehrt zurück nach Europa. Im Kampf gegen ein geeintes, grenzfreies und weltoffenes Europa sammeln sich Populisten, die als Retter des Abendlandes vor Überfremdung auftreten - gegen Flüchtlinge, Migrant*innen und besonders den Islam. Ressentiment will keine Probleme lösen, sondern „ Feinde“ und Bedrohungen konstruieren – „im Hochgefühl grundsätzlicher Opposition und dauernder Kränkung“ (Max Scheler).
Populistische Agitation gewinnt Raum, verstärkt durch allgegenwärtige soziale Medien, inklusive verschwörungstheoretischer Panik- und Bedrohungsszenarien. Demokratiereduktion und gesellschaftliche Unsicherheit lassen einen Stil politischen Denkens wiederkehren, der an den der Fünfziger Jahre des frühen Atomzeitalters erinnert. Zugleich schwinden Hemmschwellen, wie die zahlreichen Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte und Migrant*innen zeigen.
Der Philosoph Reinhard Olschanski analysiert und beschreibt in seinem neuen Buch "Ressentiment- Über die Vergiftung des europäischen Geistes" wie alte und überwunden geglaubte Denkmuster reaktiviert werden und welche neuen Vorurteile hinzutreten. In der europäischen Geschichte findet er ein reichhaltiges Ressentiment-Arsenal: Juden und Ketzer, Barbaren und Heiden, unzivilisierte Wilde, nationale Erbfeinde - Olschanski will mit seinem Buch keine Patentrezepte suggerieren, sondern die Grundlagen, die Quellen und Mechanismen dieser Ressentiment-Produktion aufzeigen. Er warnt vor einer dauerhaften Vergiftung des Geistes der europäischen Verständigung, vor der Zerstörung jener schmalen Restutopie „Europa“, die wir heute dringender denn je benötigen.
Dabei gilt: „ …tiefsitzendes Ressentiment lässt sich schwer aufklären und mit besseren Argumenten allein umdrehen. Das historisch bewährte Gegengift lautet: Mut, der das Gemüt und die Kraft des Denkens und Wollens freisetzt.“ (Claus Leggewie) Über (durchaus kontroverse) Strategien zu diesem bürgerschaftlichen Mut und eine Politik der Verhinderung eines Weges in den „Angststaat“ (Heinz Bude) diskutiert und streitet der Autor mit dem kulturpolitischen Sprecher der CDU Mönchengladbach, Dieter Breymann.
Referenten:
Reinhard Olschanski (GRÜNE), Philosoph, Autor und Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fraktion Bündnis 90/DIEGRÜNEN im Landtag NRW
Dieter Breymann (CDU), Rechtsanwalt, Ratsherr und kulturpolitischer Sprecher der CDU in Mönchengladbach
Moderation:
Anna Tötter, Mitarbeiterin der Heinrich Böll Stiftung NRW
Veranstaltungsort:
Volkshochschule MG, Haus Berggarten
Raum 113/Saal
Lüpertzender Str.85, 41061 M’gladbach
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- Landesstiftung Nordrhein-Westfalen
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- Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei.