Mittwoch, 26. Oktober 2011 13.00 – 19.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Rohstoffe aus dem Andenraum für Deutschland

Wer trägt die Verantwortung für die Folgen des Bergbaus in Kolumbien und Peru?

Steigende Rohstoffpreise, die Verknappung einzelner Bodenschätze sowie die wachsende globale Nachfrage lösen große Besorgnis bei Regierungen und Unternehmen der Industrienationen aus. Weitaus weniger Aufmerksamkeit wird hingegen den Folgen des Abbaus in den Ländern im Süden geschenkt. Die Tagung widmet sich anhand der Kohle- und Kupferförderung in Kolumbien und Peru den Auswirkungen des Abbaus auf Menschenrechte, Umwelt und Entwicklung.

Im Vordergrund steht die Frage, welche Verantwortung die Abnehmer in den Industrieländern für die Konsequenzen in den rohstoffreichen Ländern des Südens tragen. Was für Mechanismen existieren zum Schutz von Menschenrechten, Umwelt und Entwicklung? Welche müssen noch eingefordert werden?

Ein Beitrag zur Einordnung des Rohstoffsektors in weltwirtschaftliche Zusammenhänge wird in die Tagung einführen. Danach schildern Gäste aus Kolumbien und Peru die Folgen des Bergbaus in ihren Ländern. Abschließend erörtern sie mit VertreterInnen von Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft die Frage nach wirksamen Schutzmechanismen.

Der Schwerpunkt der Rohstoffpolitik in Deutschland und der EU liegt auf der Versorgung der einheimischen Industrie, die stark von importierten Rohstoffen ab hängt. Zur Versorgungssicherheit sollen Handelsbarrieren abgebaut werden, wie z.B. durch das Freihandelsabkommen der EU mit Peru und Kolumbien. Unsere Partnerorganisationen aus Kolumbien und Peru berichten, dass die Expansion des Bergbausektors mit massiven Konflikten mit der betroffenen Bevölkerung aufgrund der Bedrohung ihrer Lebensgrundlagen und der Umwelt einhergeht. Sie bekommen die Kehrseite des Rohstoffbedarfs in den Industrieländern zu spüren.

Mechanismen, die die Wirtschaft in Deutschland und Europa darauf verpflichten dafür zu sorgen, dass keine negativen Konsequenzen in Entwicklungs- und Schwellenländer entstehen, sind dagegen schwach entwickelt. Sie basieren auf Freiwilligkeit oder sind rechtlich nicht bindend. Offensichtlich gibt es eine Kluft zwischen dem Engagement zur Rohstoffversorgung und dem Einsatz für Menschenrechte, Umwelt und Entwicklung, die es zu schließen gilt.

Steinkohle wird in Kolumbien fast ausschließlich für den Export gefördert. Seit Juni 2011 ist Kolumbien der größte Steinkohlelieferant für deutsche Kraftwerke und beliefert u.a. E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall. Die kolumbianische Regierung setzt auf den Bergbau als Wachstumsmotor allerdings ohne die betroffene Bevölkerung angemessen zu schützen. Die Gemeinde El Hatillo im Department Cesar ist umringt von vier Kohletagebauen. Inmitten dieses Rohstoffreichtums verlieren die Menschen ihre Einnahmequellen und warten auf ihre staatlich angeordnete Umsiedlung, die zudem von den Bergbauunternehmen verzögert wird.

Peru ist nach Chile der zweitgrößte Kupferförderer weltweit und Deutschland importiert jährlich rund 300.000 Tonnen. Hier wird das Metall vor allem in der exportwichtigen Elektroindustrie genutzt. Der Bergbau steht in Peru aber auch im Zentrum sozialer Auseinandersetzungen. Die Kupfermine Tintaya in der Provinz Espinar (Region Cusco) gehört dem Schweizer Bergbauunternehmen XStrata, das sich nach Protesten uhohen Investitionen und zum Dialog mit der Zivilgesellschaft Verpflichtete. Dennoch kommt es nach wie vor zu massiven Konflikten mit der Bevölkerung.