Donnerstag, 03. Dezember 2009 19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern

„Silizium, Wismut, Elbetod - Umweltbewegung als Teil der DDR-Opposition“

Von der Umweltbewegung in der DDR gingen wesentliche Impulse für die friedliche Revolution im Herbst 1989 aus. Smog, Waldschäden, verschmutzte Seen und Flüsse, Braunkohlebergbau oder das Verschweigen der Auswirkungen der Tschernobyl-Katastrophe- immer mehr entwickelten sich die offensichtlichen Umweltprobleme zum Konfliktfeld in der Auseinandersetzung mit dem Staat.
Die Umweltbewegung der DDR war breit und vielgestaltig. Zu ihr gehörten Mitglieder des Kulturbundes und Umweltgruppen unter dem Dach der Kirche, NaturschützerInnen, GartenarchitektInnen oder SchriftstellerInnen. Ihr Ziel war es, die gravierenden Umweltschäden zu dokumentieren und damit öffentliche Aufmerksamkeit und Engagement möglichst vieler DDR-BürgerInnen zu erreichen. Neben praktischem Naturschutz und Naturpflege vor Ort organisierten sie Informationsveranstaltungen, Ökologie-Seminare, Fahrradkorsos und sogar Demonstrationen.
Durch ihre langjährige Erfahrung in der Gruppenarbeit, durch ihre landesweite Vernetzung und ihre Fähigkeit, die in der DDR raren öffentlichen Räume zu schaffen, wurden – vor allem die kirchennahen Umweltgruppen – zu einer wichtigen Säule von Dissidenz in der DDR.
Angesichts zunehmender Umweltprobleme stieg in den 1980er Jahren aber auch der politische Druck auf Umweltengagierte. Viele wurden von der Staatssicherheit überwacht und zum Teil auch politisch verfolgt. Die «Zion-Affäre» im November 1987 zeigte die Empfindlichkeit der DDR, als die Räume der Umweltbibliothek im Keller der Zionsgemeinde in Berlin-Prenzlauer Berg durchsucht und die dort Anwesenden verhaftet wurden. Es kam erstmalig DDR-weit zu Solidarisierungen mit den Inhaftierten.
Auch in Dresden organisierte sich vielfältiger Widerstand gegen die Zerstörung der Umwelt. Im Zentrum standen dabei besonders die Proteste gegen die Kernforschung in Rossendorf und der erfolgreiche Protest gegen das geplante Reinstsiliziumwerks Gittersee. Mit zwei Akteuren der Zeit sprechen wir über Motive, Handlungsspielräume, Unterdrückung und Hoffnungen und diskutieren Visionen und Grenzen von Umweltengagement in der Gegenwart.