- Donnerstag, 09. Dezember 2010 18.00 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Son of Babylon
Filmvorführung und Podiumsdiskussion
Am Vorabend des 62. Internationalen Tages der Menschenrechte veranstaltet die Heinrich-Böll-Stiftung eine Filmvorführung und Podiumsdiskussion zum Thema „Unter Opfern und Tätern: Gewalt und Erinnerung im Irak“.
Beobachter und Medien geben zahlreiche Gründe für die fortdauernden Konflikte im Irak an, von paralysierten Regierungsinstitutionen über politische und ökonomische Interessen der lokalen Akteure bis hin zu regionalen und internationalen strategischen Langzeitinteressen. Bei der Analyse der Konfliktdynamiken und ihrer Konsequenzen wird jedoch ein wichtiger Aspekt zu oft vernachlässigt: unterschiedliche und oft widersprüchliche Sichtweisen auf die Vergangenheit.
Während der Jahrzehnte andauernden Menschenrechtsverletzungen haben Iraker Gewalt unterschiedlich erfahren. Eine Vielzahl von individuellen und kollektiven Erinnerungen wird um politische und historische Momente herum konstruiert, von Generation an Generation weitergegeben und liegt teilweise im Widerstreit. Entlang dieser Narrativen werden Identitäten gestärkt und Grenzlinien gezogen zwischen „Uns“ und den „Anderen“ - Identitäten, die „Opfer“ und „Täter“ gegenüberstellen und die Kluft in der Gesellschaft vertiefen.
Viele Iraker haben in den vergangenen beiden Jahren an den Wahlurnen gezeigt, dass sie nur noch wenig Vertrauen haben in Parteien und Gruppen, die Identitäten instrumentalisieren und für ethnisch-konfessionellen Zwist stehen. Ein echter nationaler Dialog und Aussöhnungsprozess erscheint jedoch in weiter Ferne.
Umso wichtiger erscheint die Arbeit der Zivilgesellschaft, die eine Rolle in friedensbildenden Bemühungen spielen kann. Eine solche Erinnerungsarbeit kann zur Anerkennung komplexer Wahrheiten beitragen und ein Bewusstsein dafür vermitteln, dass Opfer und Täter miteinander werden leben müssen. Die Unterstützung der Überlebenden, ungeachtet ihrer Gruppenzugehörigkeit, sowie symbolische Wiedergutmachungen können einen Sinn für Würde, gruppenübergreifendes Gemeinschaftsgefühl und Versöhnungsprozesse fördern. Bemühungen zur Bewahrung von Erinnerungen können zudem den künftigen Generationen helfen, Konflikte besser zu verstehen.
Die Heinrich-Böll-Stiftung zeigt einen irakischen Spielfilm, der den Umgang mit Gewalt und Erinnerung thematisiert. Gemeinsam mit drei Aktivisten/innen aus den Bereichen Kunst, Journalismus, psychosoziale Therapie, wissenschaftliche Forschung und Menschenrechtsarbeit sprechen wir über persönliche Erfahrungen in der Erinnerungsarbeit.
18:00 Filmvorführung Son of Babylon (arabisch/kurdisch mit englischen Untertiteln)
19:45 Podiumsdiskussion
Mit:
- Karin Mlodoch (Haukari e.V.)
- Salah Ahmad (Kirkuk Center for the Rehabilitation of Torture Victims)
- Dr. Barik Schuber – Vorsitzender des Irakischen Kulturvereins `Al Rafidain` e.V.
Moderation:
Andrea Fischer-Tahir (wissenschaftliche Mitarbeiterin Zentrum Moderner Orient)
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin