- Dienstag, 21. April 2009 20.00 – 00.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Spielstand #11: Crisis! What Crisis? Zur Lage von Kunstmarkt, Staatskunst und Ausstellungspolitik
Der 15. September 2008 war auch ein Wendepunkt für den
Kunstmarkt. Denn am Tag des Lehmann-Crashs begann Damien Hirst seinen
Auktionsmarathon bei Sotheby´s in London. Der Handel mit seinen Kunstderivaten erlöste
umgerechnet rund 114 Millionen Euro. Doch schon einige Wochen später wurden auf
den großen internationalen Messen Preisnachlässe nötig, um das symbolische
Kapital der Contemporary Art im Umlauf zu halten. Hirst musste sogar einen Teil
seiner Hilfskräfte entlassen.
Was manche eine kurzfristige Marktbereinigung nennen, könnte
sich langfristig als New Deal erweisen. Der kreativwirtschaftliche Konsens der
letzten Jahre, der das harmonische Bild eines kooperativen Miteinanders von
zahlungskräftigen Sponsoren, reichen Privatsammlern und erfolgreichen
Künstler/innen aufrechterhielt, steht möglicherweise vor einer grundlegenden
Revision. Nicht nur das Engagement von Unternehmen könnte in einem Ausmaß
zurückgehen, das die „Ausstellungsmacht“ (Peter Sloterdijk) von Museen erheblich
schwächt. Die breite Masse des künstlerischen Prekariats muss zudem befürchten,
dass die Schuldenlast der staatlichen Rettungs- und Konjunkturpakete künftig auch
die Finanzierung von Projekten und Stipendien erschwert. Muss sich der gesamte
Bereich öffentlich geförderter Kunst ganz neu legitimieren?
Insofern bietet die globale Wirtschafts- und Finanzkrise
auch Chancen. Das Ende des spekulativen Booms könnte einen ganz neuen
Reflexionsprozess über die Definition von Kunst und Öffentlichkeit einleiten.
Gibt es bereits veränderte Kriterien für die Zumessung von Wert und Bedeutung?
Erleben etwa „marktferne“ Positionen einen Aufwind? Wie könnte das Verhältnis
zwischen musealer Präsentation und kulturindustrieller Spektakelproduktion neu
ausgehandelt werden? Welche neuen Allianzen im Hinblick auf Kunstvermittlung
wären denkbar?
Mit:
Thomas Girst, Leiter Kulturkommunikation der BMW Group
Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie
Barbara Weiss, Galeristin
Moderation:
Elke Buhr, Monopol
Eintritt frei
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin