Veranstaltung
- Freitag, 25. September 2026 09.30 – 16.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Fachtag: "Spot on!"
Handlungssicher im Umgang mit demokratiefeindlichen Angriffen auf Kunst und Kultur
Kunst und Kultur sehen sich zunehmend mit Angriffen durch antidemokratische Kräfte und deren Umfeld konfrontiert. Im sogenannten Kulturkampf von rechts gehören Verunglimpfungen, Versuche der Einflussnahme und auch Bedrohungen vielerorts zur Realität künstlerischer Arbeit. Die zentrale Herausforderung besteht darin, darauf zu reagieren, ohne sich zu gefährden, auszubrennen, die eigene künstlerische Praxis einzuschränken oder persönliche Grenzen zu überschreiten. Besonders freie Künstler*innen und kleinere Strukturen stehen hier unter hohem Druck – entsprechend dringend sind tragfähige Strategien, Handlungssicherheit und verlässliche Unterstützungsstrukturen.
Der Fachtag von Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und dem Landesverbandes der freien Theater in Sachsen e.V. setzt genau hier an. Und zwar ganz konkret und praxisnah: Expert*innen aus Politik, Recht, Öffentlichkeitsarbeit, Beratung, Training und Forschung bieten klare Analysen, teilen Erfahrungen und stellen praxisnahe Ansätze vor. Gleichzeitig lädt der Fachtag dazu ein, sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und gemeinsam Perspektiven für eine solidarische und widerstandsfähige Praxis zu entwickeln.
Mit Inputs und Workshops (mehr s.u. ausführlicher):
Dr. Justus Duhnkrack, Rechtsanwalt und politischer Berater
- zu rechten kulturpolitischen Strategien („Playbooks") und möglichen Gegenmaßnahmen
Juliane Chakrabarti, 1. Vorsitzende des "Ich bin hier e.V".
- zu medialer Deeskalation und Selbstschutz
Simon Brost (MBR – Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin) und
Markus Kemper (Kulturbüro Sachsen e.V.)
- zur konkreten Vorbereitung für souveränes Handeln
Re_Connection Kollektiv: Arystan Petzold (Musiker & Musikpädagoge), Carolina Márquez, (Tanztherapeutin & Psychologin), Susanne Gärtner (Aktivistin & Trainerin in der politischen Bildung)
- zu Resilienz, Körper und Emotionen im politischen Handeln
Politisches Gespräch mit Dr. Claudia Maicher, MdL, kulturpolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen
- zu politischen Schutzmechanismen und Allianzen
Datum: Freitag, 25. September 2026
Uhrzeit: 10:00 – 16:30 Uhr mit anschließendem gemeinsamem Ausklang
Ort: Der Veranstaltungsort ist Dresden, die Adresse wird nach Anmeldung bekannt gegeben.
Eine Anmeldung ist für die Teilnahme verpflichtend.
+++Anmeldung und Programm +++:
https://www.eventbrite.de/e/spot-on-handlungssicher-im-umgang-mit-angriffen-auf-kunst-und-kultur-tickets-1990778637495?aff=oddtdtcreator
Eine Anmeldung ist bis 01. September 2026 möglich, die Plätze sind begrenzt.
***Vorläufiges Programm****
09:30 Uhr - 10:00 Uhr Check-in
10:00 Uhr - 10:15 Uhr Begrüßung
10:15 Uhr - 11:15 Uhr "Impulse und politisches Gespräch"
Alles nur Theater? Rechte Kulturkämpfe auf dem Vormarsch
Simon Brost (MBR Berlin)
Die Mobilen Beratungen gegen Rechtsextremismus analysieren seit vielen Jahren die Strategien, Narrative und Angriffsformen demokratiefeindlicher Akteur*innen im Kultur- und Zivilgesellschaftsbereich. Die Beratungsarbeit zeigt, dass Anfeindungen gegen Kulturinstitutionen häufig Teil eines gezielten „Kulturkampfes" sind, der auf die Delegitimierung pluralistischer, demokratischer und diversitätsorientierter Positionen zielt - und damit zunehmend an Reichweite gewinnt. Die rechte Diskursverschiebung ist auch im kulturpolitischen Feld im vollen Gange. Dabei reichen die eingesetzten Mittel von öffentlicher Diffamierung und politischem Druck bis hin zu Einschüchterungs- und Bedrohungskampagnen. Die Erkenntnisse aus der Beratungspraxis der Mobilen Beratungen ordnen aktuelle Angriffe auf Kunst und Kultur als Teil breiterer gesellschaftlicher Auseinandersetzungen um demokratische Werte und kulturelle Hegemonie ein.
Digitale Bedrohungsszenarien für Kulturschaffende
Juliane Chakrabati (Ichbinhier e.V.)
Rechte Angriffe auf Kunst- und Kulturschaffende im digitalen Raum sind kein Zufallsprodukt einzelner Empörungswellen, sondern häufig Teil strategischer Kampagnen zur Verschiebung gesellschaftlicher Diskurse. Sie reichen von Hasskommentaren und gezielten Diffamierungen über koordinierte Online-Mobilisierungen bis hin zu Einschüchterungs- und Bedrohungsszenarien. Besonders betroffen sind künstlerisch tätige Akteur*innen, die sich mit Diversität, Kritik an autoritären Strukturen oder Antidiskrminierung beschäftigen. Es gilt jetzt, die Funktionsweisen und politischen Ziele dieser Angriffe in aktuelle Debatten um digitale Öffentlichkeiten, Kulturkampfstrategien und demokratiefeindliche Mobilisierung einzuordnen.
Die kleine Freiheit der Kunst
Dr. Justus Duhnkrack (Rechtsanwalt/Politischer Berater)
Der Impuls beleuchtet die Vulnerabilität der öffentlichen Kunstförderung auf: Muss der Staat die Kunst fördern und – wenn ja – in welchem Umfang? Wer sich in einem uneinnehmbaren Elfenbeinturm wähnt und auf die Kunstförderpraxis der vergangenen Jahrzehnte vertraut, hat die Kunstfreiheit missverstanden. Denn die größte Gefahr für die Freiheit der Kunst entsteht nicht erst durch offene Zensur. Sie beginnt dort, wo Förderentscheidungen politisiert, Institutionen unter Druck gesetzt und kritische Kunst delegitimiert wird. Der Impuls stellt nicht die Frage, was Kunst darf, sondern wer künftig darüber entscheidet, welche Kunst entstehen kann.
Wirksam bleiben - Solidarische Resilienz jenseits Selbstoptimierung
Re_Connection Kollektiv
Wie können wir in Zeiten des autoritären Sogs, gesellschaftlicher Polarisierung und wachsendem Druck auf demokratische Strukturen resilient und handlungsfähig bleiben? Insbesondere in der freien Kulturszene, wo die institutionelle Rückendeckung fehlt, reichen rein kognitive Bewältigungsstrategien oder individuelle Selbstoptimierung nicht aus. Der Input stellt Ansätze vor, die Körper, Emotionen und gemeinschaftliche Erfahrungen als Ressourcen für nachhaltiges politisches und künstlerisches Engagement begreifen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Resilienz als kollektive Praxis gestärkt werden kann – nicht als Rückzug oder Anpassung, sondern als Grundlage dafür, auch unter schwierigen Bedingungen kreativ, solidarisch und wirksam zu bleiben.
Politisches Gespräch
Im Gespräch mit Dr. Claudia Maicher, MdL, kulturpolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen, fragen wir nach den notwendigen politischen Schutzmechanismen für Kunst und Kultur sowie den Allianzen, die es in der parlamentarischen Arbeit braucht, um kulturelle Freiheit, Vielfalt und eine nachhaltige Förderung demokratisch zu sichern.
12:00 Uhr - 13:00 Uhr ++Mittagspause++
13:00 Uhr - 16:00 Uhr "Q&A und WORKSHOPS"
Q&A: Repressive Kulturpolitik durchkreuzen - Strategien und Gegenmaßnahmen
Dr. Justus Duhnkrack
***AUSGEBUCHT*** Diffamierungen, Streichungsdrohungen, strategische Anfragen – repressive kulturpolitische Strategien setzen Kulturakteur*innen und -institutionen gezielt unter Druck: Das autoritäre Playbook der Neuen Rechten strebt nach kultureller Hegemonie und nimmt den wenig regulierten Bereich der Kulturförderung in den Blick. In einem kurzen Auftakt wird die rechte Strategie aufgezeigt, Neutralitätsforderung entmystifiziert und aktuelle Debatten eingeordnet, um die eigene Haltung zu stabilisieren. Im direkten Q&A gibt Jurist und politischer Berater Dr. Justus Duhnkrack Antworten auf Eure Fragen. Bringt Eure Fragen und konkreten Fälle mit: Erfahrt, wie Ihr demokratische Strukturen schützt und handlungsfähig bleibt.
Workshop 1: Gegenwehr gegen demokratiefeindliche Strategien
Simon Brost (MBR) & Markus Kemper (Kulturbüro Sachsen)
Der Workshop richtet sich an Akteur*innen aus Kunst und Kultur, die von antidemokratischen und repressiven Anfeindungen, Einschüchterungen oder Angriffen betroffen sind oder sich darauf vorbereiten möchten. Angriffe auf Kulturschaffende und - Institutionen nehmen zu – etwa durch Hasskommentare, Online-Kampagnen, Drohungen oder öffentliche Diffamierungen. Besonders betroffen sind Projekte und Einrichtungen, die sich mit gesellschaftspolitischen Themen, Diversität oder Demokratieförderung beschäftigen. Der Workshop sensibilisiert für Dynamiken demokratiefeindlicher Angriffe und vermittelt praktische Handlungsmöglichkeiten für den professionellen Umgang mit Bedrohungen und Anfeindungen. Ausgehend von den Erfahrungen der Teilnehmenden werden konkrete Szenarien bearbeitet sowie Strategien zu Prävention, Kommunikation und solidarischer Unterstützung entwickelt. Ziel ist es, Handlungssicherheit zu stärken und Einrichtungen sowie Kulturschaffende in ihrer Reaktionsfähigkeit zu stärken.
Workshop 2: Hass im Netz - Toolkit zu medialer Deeskalation und Selbstschutz
Juliane Chakrabati (ichbinhier e.V.)
Freischaffende Künstler*innen und Kulturschaffende, die sich öffentlich zu gesellschaftlichen und politischen Themen äußern, geraten zunehmend ins Visier von Hass, Hetze und rechten Angriffen im digitalen Raum. Besonders in der freien Szene fehlen häufig die personellen, finanziellen und kommunikativen Ressourcen, um auf koordinierte Anfeindungen, Diffamierungen oder Bedrohungen professionell reagieren zu können. Gleichzeitig sind soziale Medien für viele Kulturschaffende unverzichtbar, um Sichtbarkeit zu schaffen, Projekte zu vermitteln und mit Publikum und Communities in Austausch zu treten. Der Workshop vermittelt Wissen über die Dynamiken digitaler Angriffe und zeigt auf, wie sich Betroffene präventiv schützen, Unterstützung organisieren und im Angriffsfall handlungsfähig bleiben können. Anhand von Praxisbeispielen werden konkrete Strategien für den souveränen Umgang mit Hass und Hetze sowie für solidarische Gegenwehr entwickelt.
Workshop 3: Resilienz, Körper und Emotionen im politischen Handeln
Re_Connection Kollektiv
Der Workshop basiert auf dem Re_Connection-Ansatz, der mit körpertherapeutischen Elementen Reflektion und Verbindung unterstützt. Dabei führt er verschiedene aktivistische, globale, historische und aktuelle Ansätze zusammen. Welche Bedeutung haben Körper und Emotionen im politischen Handeln und wie können wir diese nutzen, um nicht zu verzweifeln? Welche Praxen helfen uns jenseits von Achtsamkeitspraktiken und esoterischen Ansätzen, die Resilienz oft als Anpassung und Rückzug verstehen? Im Workshop wird der Ansatz praktisch dargestellt und reflektiert und es gibt Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch.
16:00 Uhr Abschluss, Get-Together & gemeinsamer Ausklang
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Zielgruppe
Herzlich eingeladen sind alle Künstler*innen, Akteur*innen, Kulturinstitutionen, Interessierte und zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich für ein demokratisches und an den Menschenrechten orientiertes Zusammenleben einsetzen.
Barrierefreiheit
Der Veranstaltungsort ist weitestgehend barrierefrei, jedoch nicht alle der Workshopräume. Bitte nennt uns Euren Bedarf bei der Anmeldung, damit wir dies bei der Planung der Räume berücksichtigen können.
Anreise
Die Züge fahren regelmäßig zum Hauptbahnhof Dresden und Bahnhof Dresden-Neustadt. Von dort sind es ungefähr 10 bis 20 Minuten mit dem ÖPNV zum Veranstaltungsort.
Kosten und Verkostung
Die Teilnahme am Fachtag ist kostenfrei. Es wird Getränke und einen kleinen Mittagsimbiss (vegan und vegetarisch) geben.
Antidiskriminierungsregel
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechten oder neonazistischen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen oder neonazistischen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
Informationen zum Datenschutz für die Anmeldung
Mit der Anmeldung über Eventbrite erklärt Ihr Euch damit einverstanden, dass die von Euch angegebenen personenbezogenen Daten (wie z.B. Eure E-Mail-Adresse) zum Zweck der Veranstaltungsorganisation, Kommunikation und Durchführung der Veranstaltung verarbeitet werden. Die Erhebung, Verarbeitung und Speicherung erfolgt gemäß der europäischen Datenschutzverordnung (EU-DSGVO) und des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) erhoben, verarbeitet und gespeichert. Weitere Informationen zur Datenverarbeitung findet Ihr in der Datenschutzerklärung des Landesverbandes der Freien Theater in Sachsen e.V
Ihr könnt der Nutzung Eurer Daten ohne Angabe von Gründen jederzeit schriftlich unter info@freie-theater-sachsen.de widersprechen.
Veranstaltende sind Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und der Landesverband der freien Theater in Sachsen e.V.
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Gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus. Diese Einrichtung wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.
Der Fachtag "Spot On! Handlungssicher im Umgang mit demokratiefeindlichen Angriffen auf Kunst und Kultur“ wird gefördert vom Bündnis "Zusammen für Demokratie".
Der Landesverband der Freien Theater in Sachsen e.V. (LFTS) wird gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus. Der LFTS sowie die Landesstiftung Weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen werden mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.
- Adresse
-
▶ Siehe Veranstaltungsbeschreibung
- Veranstalter*in
- Landesstiftung Sachsen (Weiterdenken)
- Sprache
- Deutsch