Gespräch Sonntag, 17. Mai 2020

Stadtspaziergang: Wilfrid Israel

- Kaufhausdirektor und Sozialist, Lebensretter und Pazifist

Datum, Uhrzeit
So., 17. Mai 2020,
14.00 – 16.15 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
➽ Siehe Veranstaltungsbeschreibung
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)
Rechtliches
Allgemeine Geschäftsbedingungen
Wilfrid Israel (1899-1943) war der letzte Direktor des Kaufhauses „N. Israel“ das - direkt gegenüber dem Roten Rathaus gelegen - in der Nazizeit zu einem Symbol der Selbstbehauptung der deutschen Jüdinnen und Juden wurde. Er hat die „Kindertransporte“ nach Großbritannien in Gang gebracht, durch die 1938 und 1939 mindestens 10.000 Kinder gerettet wurden, die nach den rassistischen Nürnberger Gesetzen von 1935 als jüdisch galten.
Albert Einstein bezeichnete ihn nach seinem frühen Tod als „menschliches Kunstwerk“.
Wilfrid Israel musste seine Homosexualität verbergen. Als „Bernhard Landauer“ taucht er in Christopher Isherwoods Roman „Goodbye to Berlin“ auf. Der Roman wurde die Grundlage für den Film „Cabaret“.
Er blieb zeitlebens Pazifist und Sozialist und unterstützte z.B. die gewaltlose Unabhängigkeitsbewegung in Indien.
Wilfrid Israel arbeitete für eine jüdische Renaissance in Palästina ein und setzte sich wie Martin Buber, Albert Einstein, Hannah Arendt und Henrietta Szold für einen gleichberechtigten Dialog mit den Arabern Palästinas ein. Henrietta Szold, die mit ihm im Rahmen der „Jugendaliya“ zur Rettung vieler Menschen nach Palästina beitrug, schrieb 1942: „Das Judentum gebietet uns, einen gemeinsamen Weg mit den Arabern, die in diesem Land leben, zu finden.“
Wilfrid Israel verstand Zionismus nicht als nationalistisches oder koloniales Projekt, sondern als ein „gesellschaftliches Experiment, welches alte jüdische Verbindungen zum Orient wiederherstellen sollte“ (Naomi Shepherd).
Wilfrid Israel ist aktueller denn je: durch seine Solidarität mit bedrohten Menschen, sein Eintreten für einen Dialog der Kulturen und auch, weil er einen „gefährlichen Pessimismus“ ablehnte, der zum Nichtstun verurteilt, wo Handeln notwendig ist.

Referent: Martin Forberg M.A.
Martin Forberg ist politischer Bildner, Publizist und Stadtbilderklärer. Er hat Neuere Geschichte mit den Nebenfächern Soziologie und Ethnologie studiert.

Die Veranstaltung wird mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie Berlin realisiert.