- Freitag, 09. Dezember 2005 18.00 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern
The State of the State: Die Zukunft des Staates
Vieles spricht dafür, dass wir heute an
einem Punkt sind, an dem die Bedeutung des
Staates als Garant des öffentlichen
Interesses wieder stärker hervortritt.
Selbstbestimmung und Freiheit werden auch
von den Jüngeren nicht mehr als Gegensatz
zu einem handlungsfähigen Staat und
kollektiven Sicherungssystemen gesehen,
sondern als wechselseitige Bedingung.
Überhaupt tritt der Zusammenhang zwischen
Freiheit und sozialer Teilhabe wieder
stärker in den Vordergrund. Der Kampfruf
nach „weniger Staat“ und Steuersenkungen
bricht sich an den notwendigen staatlichen
Vorsorgeleistungen und der
Unterfinanzierung der öffentlichen
Infrastruktur. In dieser Perspektive geht
es nicht um Selbstbestimmung versus Staat,
sondern um staatliche Arrangements, die
reale Chancen auf Selbstbestimmung
eröffnen.<br><br>
Zugleich wachsen in Bevölkerung und auch in
der politischen Klasse selber Zweifel an
der Gestaltungskraft von Politik: Die
ökonomische Globalisierung mit ihrem
Anpassungsdruck auf die „Standortfaktoren“
wird als Einschränkung nationalstaatlicher
Handlungsfähigkeit, ja als Bedrohung der
Demokratie wahrgenommen. Auch die
Europäische Union setzt Normen und
Vorgaben, die das traditionelle Modell
politischer Souveränität untergraben.
Gestaltungsmacht wandert in bürgerferne
supranationale Strukturen. Staatliche
Politik erscheint vielfach nur noch als
Sachzwangverwaltung und Reparaturbetrieb.
Das trägt zum schwindenden Vertrauen in der
Bevölkerung in Politik und Politiker bei.
Das Zutrauen in die Integrität und
Kompetenz der politischen Parteien liegt in
Umfragen bei ganzen 7%. Auch von Politikern
wird beklagt, dass „der Handlungsraum immer
weiter schwindet“ (Erhard Eppler). <br><br>
Wie passt diese Diagnose einer
schrumpfenden Steuerungsfähigkeit von
(staatlicher) Politik damit zusammen, daß
gleichzeitig die politisch-rechtliche
Regelungsdichte über die letzten Jahrzehnte
enorm gewachsen ist, parallel mit der
Staatsquote am Bruttoinlandsprodukt? Gibt
die Politik selbst die Instrumente aus der
Hand, mit denen sie auf Märkte und
Unternehmen einwirken kann? Und was soll
die Forderung nach Wiederherstellung des
„Primats der Politik“ konkret bedeuten? Wie
weit und wie tief soll die
Regelungskompetenz der Politik gegenüber
Wirtschaft und Gesellschaft gehen, und wie
autonom sollen und müssen Systeme wie
Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft sein?
Wie müssen kollektive soziale Sicherheit
einerseits, Selbstverantwortung und
Eigeninitiative andererseits ausbalanciert
werden? Und wie könnte ein „Dritter Weg“
zwischen Etatismus und Marktliberalismus
aussehen? Wo eröffnen sich neue politische
Handlungsmöglichkeiten für Bürger und
Bürgerinnen jenseits institutioneller
Politik?<br><br>
18:00 h Begrüssung<br>
18:15 h Keynote: <b>Prof. Dr. Michael
Zürn</b> Akademischer Direktor der Hertie
School of Governance (Berlin) und Direktor
der Abteilung „Transnationale Konflikte und
Internationale Institutionen“ am WZB<br>
Panel:<br>
- <b>Dr. Willfried Maier</b>, ehem.
Senator, GAL-Fraktion B´90/ Die Grünen
Hamburg; Vorstand der Grünen Akademie<br>
- <b>Prof. Dr. Birgit Sauer</b>,
Universität Wien; Grüne Akademie<br>
- <b>Prof. Dr. Ulrich K. Preuss</b>, Freie
Universität Berlin; Hertie School, Grüne
Akademie<br>
19:45 h Diskussionseinstieg: <b>Peter
Siller</b>, Planungsstab Auswärtiges Amt,
Vorstand der Grünen Akademie<br>
- Offene Diskussion – Ende ca 21:30 Uhr<br>
Anschließend Buffett
Grüne Akademie
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin