Podiumsdiskussion Mittwoch, 05. November 2014

Syrien: Neue Aufmerksamkeit für einen alten Konflikt

Wie der Islamische Staat (IS) die Wahrnehmung des Konflikts und die internationale Bereitschaft sich zu engagieren neu definiert

Datum, Uhrzeit
Mi., 05. Nov. 2014,
17.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Veranstalter/in
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin

Die militärischen Erfolge und das brutale Vorgehen der Miliz des Islamischen Staats (IS) haben den Konflikt in Syrien schlagartig wieder ins Rampenlicht der internationalen Öffentlichkeit und Politik geholt.

Über drei Jahre nach Beginn des zunächst friedlichen Aufstands gegen das Regime von Baschar al-Assad und die regierende Baath-Partei hat sich der Konflikt in Syrien zu einem Bürgerkrieg mit über 190.000 Todesopfern, Millionen Flüchtlingen und einer extrem notleidenden Zivilbevölkerung entwickelt. Sämtliche Friedensinitiativen und Vermittlungsversuche zur Beilegung des Konflikts sind bislang gescheitert oder wurden nicht umgesetzt. Seit der erfolglosen Genf-II-Konferenz im Januar 2014 wurden keine ernstzunehmenden Ansätze für eine politische Lösung des Konflikts mehr entwickelt. IS hat den Konflikt nun wieder an die oberste Stelle der internationalen Agenda gesetzt. Das äußerst brutale Vorgehen der Miliz und die barbarische Inszenierung des Abschlachtens haben regional wie international eine Welle der Angst vor IS ausgelöst, der islamistischen Miliz gleichzeitig aber auch großen Zulauf aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Europa beschert. Moderate Rebellen- und Oppositionsgruppen geraten hingegen zunehmend zwischen die Fronten und kämpfen nun sowohl gegen das syrische Regime als auch gegen IS.

Nach Jahren des Zögerns hat das rasche Vorrücken von IS die Amerikaner und Europäer dazu bewogen, nun doch militärisch in Syrien und dem Irak zu intervenieren. Eine internationale Koalition unter Führung der USA bekämpft IS seitdem mit gezielten Luftschlägen. Gleichzeitig liefern zahlreiche Staaten, darunter auch Deutschland, Waffen an die kurdischen Peschmerga und in Zukunft wohl auch an syrische Rebellengruppen. Angesichts des vermeintlich größeren Übels IS, werden zunehmend Stimmen laut, die auch eine Kooperation mit Assad nicht mehr ausschließen. Eine politische Strategie ist hinter diesem neuen Engagement der internationalen Gemeinschaft bislang jedoch nicht zu erkennen. Grund genug, einen Blick hinter die Logik der neuen Aufmerksamkeit für Syrien und den regionalen Konflikt zu werfen.
 

u.a. mit:
Bente Scheller, Leiterin, Büro Beirut, Heinrich-Böll-Stiftung
Franziska Brantner, MdB, Bündnis 90 / Die Grünen, Berlin
Lotte Leicht, Direktorin, Human Rights Watch, Brüssel
Muhammad Idrees Ahmad, Dozent für digitalen Journalismus, Universität Stirling
Marcelle Shehwara, Bloggerin, Syrien
Lina Sinjab, BBC London
Daniel Gerlach, Journalist und Mitherausgeber des Magazin Zenith
Barbara Unmüßig, Vorstand, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

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