Fachgespräch
- Dienstag, 21. April 2026 09.00 – 19.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Transnationale Organisierte Kriminalität
Gegenstrategien von Lateinamerika bis Deutschland
Die transnationale organisierte Kriminalität (TOK) zählt in Lateinamerika zu den größten sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bedrohungen für Gesellschaft, Staat und Entwicklung. Die Region verzeichnet weltweit die höchsten Gewaltraten. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen nehmen wir aus der Perspektive unserer Partner*innen die Situation in Mexiko, Honduras, Kolumbien, Brasilien, Ecuador und Peru in den Blick.
Immer neue Formen krimineller Governance untergraben demokratische Institutionen, Entscheidungsprozesse und ihre Legitimität. Nährboden hierfür sind strukturelle Ungleichheit, mangelnde wirtschaftliche Perspektiven sowie begrenzte soziale Aufstiegsmöglichkeiten. Der Überfall Trumps auf Venezuela unter dem Vorwand der Drogenbekämpfung steht exemplarisch für eine Politik der Scheinlösungen, welche die Zivilbevölkerung zusätzlich belastet. Es droht die Gefahr, dass der Kampf gegen die Organisierte Kriminalität zunehmend politisch instrumentalisiert wird, um völkerrechtswidrige militärische Interventionen in der westlichen Hemisphäre zu legitimieren. Wie kann TOK wirksam eingedämmt werden? Welche Rolle kann die lokale Zivilgesellschaft spielen? Und wie kann transnationale Zusammenarbeit so ausgestaltet werden, dass menschliche Sicherheit als Ziel gestärkt wird? Zugleich stellt sich die Frage, was wir in Deutschland von Initiativen und Strategien aus Lateinamerika lernen können.
Denn TOK stellt längst auch hier ein akutes Risiko für menschliche Sicherheit dar: Deutschland erlebt derzeit eine Kokainschwemme und gilt als Geldwäscheparadies. Neben dem Drogenhandel zählen Menschenhandel, Zwangsprostitution, Umwelt- und Waffenkriminalität sowie Cybercrime zu den zentralen Einnahmequellen. Die daraus generierten Gewinne und Warenströme werden über hochgradig effiziente Lieferketten nach Europa geschleust. Gleichzeitig gewinnen kriminelle Netzwerke zunehmend Einfluss auf legale Wirtschaftsstrukturen. Trotz dieser Brisanz erhält das Thema in Deutschland noch immer zu wenig differenzierte mediale und politische Aufmerksamkeit. Die öffentliche Debatte wird häufig auf die Aktivitäten einzelner Gruppen oder Schlagworte wie „Clankriminalität“ reduziert. Repressive Maßnahmen und verstärkter Fahndungsdruck auf beiden Kontinenten haben sich bislang als wenig wirksam erwiesen, um Finanz- und Warenströme im Rahmen internationaler Zusammenarbeit nachhaltig nachzuverfolgen und illegale Gewinne abzuschöpfen. Währenddessen agiert die TOK hochgradig anpassungsfähig, nutzt innovative Formen internationaler Kooperation und ist imstande, auch in Europa demokratische Strukturen durch Korruption und Gewalt zu gefährden.
Die Tagung bringt deshalb zivilgesellschaftliche und staatliche Akteur*innen aus Lateinamerika und Europa zusammen, um Strategien zu diskutieren und ihre Wirksamkeit zu prüfen. Im Fokus stehen Handel, Umweltkriminalität, Finanzströme und die vorhandenen Instrumente der internationalen Zusammenarbeit. Die Erfahrungen des demokratischen und menschenrechtsbasierten Widerstands der organisierten Zivilgesellschaft in Lateinamerika gegen TOK liefern dabei wichtige Impulse.
Am 20. und 21. April kommen dazu lateinamerikanische Gäste sowie politische Akteur*innen aus Deutschland und Europa in der Heinrich-Böll-Stiftung zusammen, um Strategien zur Prävention und Bekämpfung von TOK zu diskutieren.
Mit Deutsch-Spanisch-Englisch Simultanverdolmetschung.
Weitere Informationen finden Sie im Programm.
Kontakt bei der Heinrich-Böll-Stiftung
Victor Souza
Referat Lateinamerika
E souza@boell.de
» Teilnahme vor Ort
im Konferenzzentrum der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin
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» Auf dem Weg zur Barrierefreiheit
In der Heinrich-Böll-Stiftung bemühen wir uns um den stetigen Abbau von Barrieren. Ob bei uns im Haus, bei der Veröffentlichung von Publikationen, oder bei Online-Veranstaltungen. Alle Informationen hierzu finden sich gebündelt unter folgendem Link: https://www.boell.de/de/auf-dem-weg-zur-barrierefreiheit
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- Zeitzone
- MEZ | CET
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Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin
- Barrierefreiheit
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
- Sprache
- Deutsch
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