Mittwoch, 04. April 2007 16.00 – 18.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Übermacht und Ohnmacht - Wie real ist das Russlandbild in den deutschen Medien?

Podiumsdiskussion

Russland – kaum ein anderes Land in Europa findet solch große Aufmerksamkeit in den deutschen Medien und damit in der deutschen Öffentlichkeit. Einige Motive wiederholen sich dabei – faszinierende Dokumentationen vom Baikalsee, schockierende Reportagen vom Leben der Straßenkinder in Moskau oder kritische Analysen über die fehlende Pressefreiheit, über Korruption und Machtmissbrauch. In den 90er Jahren handelten die Berichte darüber hinaus vor allem vom Machtkampf zwischen Präsident Jelzin und den Kommunisten, von der Umverteilung der nationalen Reichtümer an wenige Oligarchen, der weit verbreiteten Armut in der Bevölkerung, der Wirtschaftskrise und den Tschetschenienkriegen.
Seit dem Amtsantritt Putins hat diese negative Beschreibung Russlands eher noch zugenommen. In den Vordergrund getreten sind nun politisch motivierte Verfolgungen, die wachsende Monopolisierung der Medien- und Parteienmacht durch den Staat, der Einsatz von Rohstoffen als außenpolitisches Druckmittel, der als bedrohlich empfundene Drang auf Auslandsmärkte und die Verletzung von Menschenrechten zum Beispiel im Kaukasus und in der Armee. Zugleich ist das Bild der Russen selbst von ihrer Gesellschaft heute ein ganz anderes. Die meisten sind mit ihrer Führung so zufrieden wie seit langem nicht. Sie konstatieren in ihrem Land Stabilität, wachsenden Wohlstand, neue individuelle Möglichkeiten.
Ist das Bild Russlands in den deutschen Medien verzerrt? Ist es tatsächlich nur von alten Stereotypen geprägt, wie es schon im Jahre 2001 der damalige russische Informationsminister Michail Lesin beklagte: „Entstünde ein anderes Bild, wenn man statt auf Moskau mehr auf die verschiedenen Regionen, statt auf die russische Regierung mehr auf die Bevölkerung blickte?“ Oder spiegelt die Unterstützung für Putin und seine Führung schon eine durch Propaganda gelenkte Wahrnehmung der Russen von ihrem eigenen Land?
In der vom Deutsch-Russischen Austausch und der Heinrich-Böll-Stiftung gemeinsam veranstalteten Podiumsdiskussion werden deutsche und russische Journalisten gemeinsam über die Wahrnehmung Russlands in Deutschland und deren Ursachen diskutieren.

Mit:
Reinhard Veser, Politikredaktion FAZ, Frankfurt/M.
Barbara Oertel, Auslandskorrespondentin taz, Berlin
Vladimir Rannev, Tageszeitung „Kommersant“, St. Petersburg
Polina Fomina, Journalistin “TV5”, St. Petersburg

Moderation: Stefan Melle, Deutsch-Russischer Austausch, Berlin