- Dienstag, 06. März 2012 18.30 – 20.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Verantwortung für die nachfolgende Generation
veranstaltet von `Konrad Adenauer Stiftung`
Ursula Rumins neues Buch berichtet nicht nur von ihrem eigenen Leben, sondern zeigt ein Stück Geschichte, das aus dem Tun und Lassen von Menschen geboren wurde, ebenso wie die menschlichen Dramen, die jenes Stück Geschichte hervor brachte. Die Jahre zwischen 1943 und 2010, um die es hier geht, haben der Autorin für ihre bisherigen Publikationen die Basis geliefert. Aus diesen Stoffen schöpft sie noch einmal, fünfzehn Tagebücher aus einer Zeit von nahezu siebzig Jahren werden einbezogen. Dabei begegnet man den niederdrückenden Erlebnissen wie Vertreibung aus der schlesischen Heimat, Verhaftung im geteilten Berlin, Haft im GULag am Eismeer, schwierige Eingliederung ins armselige Nachkriegs-Deutschland, aber sieht auch den Menschen Ursula Rumin in positiven Momenten: als hoffnungsstarkes Mitglied einer Tanzgruppe, als liebende und geliebte Frau, als Erfolge sammelnde Journalistin, schließlich als gereifte Persönlichkeit, die zufrieden auf bestandene Prüfungen zurück blicken kann.
Ursula Rumin wurde 1923 in Schlesien geboren. Nach dem Krieg kam sie nach Berlin, machte ein Volontariat bei Ullstein und arbeitete als Drehbuchautorin, u.a. bei der ostzonalen DEFA. Im Herbst 1952 wurde sie von West- nach Ost-Berlin gelockt und vom russischen Geheimdienst verhaftet. Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilte sie wegen angeblicher Spionage zu 15 Jahren Zwangsarbeit im Strafgebiet von Workuta am nördlichen Polarkreis. Es folgte eine Zeit der Entbehrungen, Demütigungen und schwerster Arbeit bei Minustemperaturen bis 60 Grad als Holz- und Schachtarbeiterin, in der Ziegelei und als Streckenarbeiterin in der Tundra. Anfang 1954 kehrte Ursula Rumin durch eine Amnestie nach Berlin zurück. Sie heiratete den Arzt und ebenfalls Heimkehrer Joseph Scholmer. Seit dem Mauerbau in Berlin 1961 lebt sie in Köln, arbeitete beim Westdeutschen Rundfunk und bei der Deutschen Welle. Als Redakteurin und Leiterin der Frauen-Redaktion entwickelte sie für den Bereich Fernsehen ein erfolgreiches Programm für Frauen in der Dritten Welt. Nach ihrer Pensionierung hat Ursula Rumin es sich zur Aufgabe gemacht, über ihr Leben und die Hafterlebnisse zu reden und zu schreiben. Für ihr Engagement erhielt sie den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.