Montag, 20. September 2010 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Verdrängt, verklärt, verarbeitet?

Die Aufarbeitung des Stalinismus

in Kooperation mit dem Internationalen Literaturfestival Berlin

Mit:
Swetlana Alexijewitsch (Belarus), Andrei Sorokin(Russland), Arsenij Roginskij (Russland), Lascha Bakradse (Georgien)

Moderation:
Jens Siegert, Leiter des Büros Moskau der Heinrich-Böll-Stiftung 
 
Mehr als zehn Millionen Menschenleben hat Stalins Regime gefordert. Mehr als zehn Millionen Menschenleben hat Stalins Regime gefordert. Eine ernsthafte Auseinandersetzung dazu hat bis heute in Russland kaum, aber auch in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken mit Ausnahme des Baltikums nur ansatzweise stattgefunden. Dabei sind die Erinnerungen in allen Fällen brennend und schmerzhaft. Für viele Menschen ist Stalin der Held, der „den Krieg gewonnen hat“. Für eine Minderheit in Russland ist er ein Tyrann, der Millionen Menschenleben auf dem Gewissen hat. Für die meisten Ukrainer ist Stalin der Verursacher der großen Hungersnot am Beginn der 1930er Jahre. In Georgien war der Georgier lange `unser Stalin`. Sehr oft, besonders in Russland ist Stalin beides, Held und Tyrann zugleich – in dieser Reihenfolge. Eines haben aber alle inzwischen nationalen Erinnerungen an den Stalinismus gemein: Sie konzentrieren sich fast ausschließlich auf die Opfer, fast nie auf die Täter.
 
Warum werden die Verbrechen Stalins nicht umfassend aufgearbeitet? Warum gibt es in Russland bis heute keine rechtliche Bewertung dieser Taten? Warum betonen die rechtlichen Bewertungen anderswo das nationale Element des Terrors, weniger das politische oder das soziale? Welche Positionen werden in den postsowjetischen Gesellschaften vertreten, welche durch die Staaten?