Vortrag

Dienstag, 17. Mai 2022 – Mittwoch, 18. Mai 2022 In meinem Kalender speichern

Vortrag

Vojtěch Kyncl: Erinnern an Lidice

Vortrag anlässlich des 80. Jahrestages des Massakers von Lidice

17.05. 2022 | 18 Uhr | Haus der Bürgerschaft (Festsaal)
18.05.2022 | 18 Uhr | Auswandererhaus Bremerhaven

Am Vorabend des russischen Angriffs auf die Ukraine, am 23. Februar, veröffentlichte die bekannte tschechische Metalband Dymytry ihr Lied Lidice. Es erinnert an das Massaker, das deutsche Polizisten am 9. Juni 1942 in dem bei Prag gelegenen Dorf Lidice verübten. Alle männlichen Erwachsenen wurden erschossen, alle Frauen ins KZ Ravensbrück deportiert, alle Kinder verschleppt oder ermordet. Den Bewohner:innen von Lidice war die Unterstützung des Attentats auf den stellvertretenden „Reichsprotektor“ Reinhard Heydrich unterstellt worden.

Das Lidice-Denkmal in den Wallanlagen in Bremen
Lidice-Mahnmal in den Bremer Wall-Anlagen
Foto: Archiv

Anlässlich des 80. Jahrestages des Massakers lädt der Verein Porta Bohemica, unterstützt von der Heinrich Böll-Stiftung Bremen, den Historiker Vojtěch Kyncl in die Bürgerschaft sowie ins Auswandererhaus in Bremerhaven ein. Dr. Kyncl ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik. Er wird in seinen (auf Deutsch gehaltenen) Vorträgen das Lidice-Massaker historisch einordnen, aber auch über die große aktuelle Bedeutung von „Lidice“ in der tschechischen Gesellschaft Auskunft geben. Die musikalische Begleitung in der Bürgerschaft übernehmen die Bratschistin Barbara Linke-Holická von der Deutsche Kam­merphilharmonie und der Cellist Benjamin Stiehl von den Bremer Philharmonikern.

Vojtěch Kyncls Forschungen zu Lidice führten 2019 zu erbitterten Debatten: Kyncl hatte bekannt gemacht, dass kurz vor dem Massaker eine Frau aus Lidice ihre jüdische Untermieterin, die sich bis dahin im Ort hatte verstecken können, bei der Polizei anzeigte. Die verratene Jüdin wurde in Auschwitz ermordet. Das Vorhaben der Gedenkstätte, auch an das Schicksal dieser Frau zu erinnern, führte zu Konflikten mit dem kommunistisch orientierten „Bund der Kämpfer für die Freiheit“ und schließlich, auf Druck des Kulturministers, zum Rücktritt der Gedenkstätten-Direktorin. Zehn Mitarbeiter:innen gingen mit ihr.

Der Kampf um die Deutung von Geschichte, die Konkurrenz der Narrative, ist derzeit deutlicher und brutaler denn je. Wir freuen uns daher, mit Vojtěch Kyncl einen ebenso unbeirrbaren wie profilierten Historiker als Gesprächspartner zu Gast zu haben. Für den 17.05. sind direkt Anmeldungen erbeten an anmeldung@buergerschaft.bremen.de.

Termine
Mi., 18 Mai 2022 18.08 – 20.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
▶ Siehe Veranstaltungsbeschreibung
Veranstalter/in
Landesstiftung Bremen
Sprache
Deutsch