- Donnerstag, 23. Oktober 2008 18.15 – 19.45 Uhr In meinem Kalender speichern
Von der Ordinarien- über die Gruppenuniversität zur “unternehmerischen Hochschule” Funktionswandel von Wissenschaft und Bildung
Projekt Alternative Denkräume | Ringvorlesung WS 2008/09
Torsten Bultmann, Bundesgeschäftsführer BdWi
Die gegenwärtigen »Hochschulreformen« in Deutschland folgen alle einem ähnlichen Muster. Im Kern geht es nicht mehr um Veränderungen an einer überlieferten Struktur, sondern um einen Komplettumbau, eine Neukonstruktion von Hochschulen. Es war der amerikanische Bildungsforscher Burton Clark, der 1998 den Begriff der »entrepreneurial university« erfand und populär machte. In dieser Richtung identifizierte er internationale Angleichungsprozesse der unterschiedlich geprägten nationalen Hochschulsysteme auf eine Art Leitmodell in der Epoche der Globalisierung. Dieser Begriff hat mittlerweile in Form der Lehnübersetzung »unternehmerische Hochschule« auch in die hiesige Reformpolitik Einzug gehalten. Der Unterschied zur »traditionellen« Universität in Stichworten: 1. Horizontale Entscheidungsstrukturen sowohl in der Tradition der »akademischen Selbstverwaltung« wie der interessenpolitischen Aushandlung (»Gruppenuniversität«) werden zugunsten einer vertikalen und zentralistischen Aufsichtsrat-Management-Direktionsstruktur geschwächt: sog. Hochschulräte (überwiegend extern besetzt), die künftig die Hochschulleitung einsetzten, verkoppeln hochschulinterne Prozesse mit der gesellschaftlichen Abnehmerseite wissenschaftliche »Dienstleistungen«. 2. Die Ressourcensteuerung auf Hochschulebene erfolgt komplementär dazu künftig wettbewerbspolitisch über quantitative Leistungsindikatoren (Rankings u.a.), welche damit auch akademische Schwerpunktbildungen entscheidend bestimmen. Die Grundphilosophie der »unternehmerischen Hochschule« besteht also darin, die disparaten Entscheidungsstränge traditioneller Hochschulen – akademische Aushandlungen, Interessenvertretung, administrative (Finanz-)Verwaltung usf. - in einem einheitlichen Wissenschaftsmanagement an der Spitze der Hochschule zusammen zu führen, in dessen Agieren sich dann ökonomische und akademische Handlungsmotive bis zur Ununterscheidbarkeit vermischen. Auf der Veranstaltung soll über die gesellschaftlichen Konsequenzen, sowie über die Widersprüche und Konflikte, die mit dieser Neukonstruktion von Hochschulen verbunden sind informiert werden.
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Die gegenwärtigen »Hochschulreformen« in Deutschland folgen alle einem ähnlichen Muster. Im Kern geht es nicht mehr um Veränderungen an einer überlieferten Struktur, sondern um einen Komplettumbau, eine Neukonstruktion von Hochschulen. Es war der amerikanische Bildungsforscher Burton Clark, der 1998 den Begriff der »entrepreneurial university« erfand und populär machte. In dieser Richtung identifizierte er internationale Angleichungsprozesse der unterschiedlich geprägten nationalen Hochschulsysteme auf eine Art Leitmodell in der Epoche der Globalisierung. Dieser Begriff hat mittlerweile in Form der Lehnübersetzung »unternehmerische Hochschule« auch in die hiesige Reformpolitik Einzug gehalten. Der Unterschied zur »traditionellen« Universität in Stichworten: 1. Horizontale Entscheidungsstrukturen sowohl in der Tradition der »akademischen Selbstverwaltung« wie der interessenpolitischen Aushandlung (»Gruppenuniversität«) werden zugunsten einer vertikalen und zentralistischen Aufsichtsrat-Management-Direktionsstruktur geschwächt: sog. Hochschulräte (überwiegend extern besetzt), die künftig die Hochschulleitung einsetzten, verkoppeln hochschulinterne Prozesse mit der gesellschaftlichen Abnehmerseite wissenschaftliche »Dienstleistungen«. 2. Die Ressourcensteuerung auf Hochschulebene erfolgt komplementär dazu künftig wettbewerbspolitisch über quantitative Leistungsindikatoren (Rankings u.a.), welche damit auch akademische Schwerpunktbildungen entscheidend bestimmen. Die Grundphilosophie der »unternehmerischen Hochschule« besteht also darin, die disparaten Entscheidungsstränge traditioneller Hochschulen – akademische Aushandlungen, Interessenvertretung, administrative (Finanz-)Verwaltung usf. - in einem einheitlichen Wissenschaftsmanagement an der Spitze der Hochschule zusammen zu führen, in dessen Agieren sich dann ökonomische und akademische Handlungsmotive bis zur Ununterscheidbarkeit vermischen. Auf der Veranstaltung soll über die gesellschaftlichen Konsequenzen, sowie über die Widersprüche und Konflikte, die mit dieser Neukonstruktion von Hochschulen verbunden sind informiert werden.
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