Sonntag, 08. Juli 2007 – Freitag, 13. Juli 2007 In meinem Kalender speichern

Von kalten Energiestrategien zu heißen Rohstoffkriegen? Schachspiel der Weltmächte zwischen Präventivkrieg und zukunftsfähiger Rohstoffpolitik im Zeitalter des globalen Treibhauses

24. Schlaininger Sommerakademie

Das Säbelrasseln zwischen den USA und der EU auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite, der noch andauernde völkerrechtswidrige Irak-Krieg oder die jüngste Debatte um die UNO-Berichte zum Klimawandel haben ursächlich eines gemeinsam: Das Geläut um das Ende des fossilen Energiezeitalters.

Die Debatte um Energie und Ressourcen hat in den letzten Jahren die internationale Politik in zentralen Punkten bestimmt. Die USA unter George W. Bush setzen auf konfrontative `hard power` und die EU versucht mit `soft power` zum gleichen Ziel zu kommen: langfristige Kontrakte und Koalitionen zur Sicherung der fossilen Energiereserven viele Jahre über den `peak oil` hinaus. Die Russische Förderation, Saudi Arabien oder Venezuela als Energielieferanten und China als künftige energiedürstende Weltwirtschaftsmacht Nummer 1 werden gemäß ihrer Rolle wahlweise auf die Liste der `Schurkenstaaten` oder jener der `strategischen Partner` gehoben.

Während sich lateinamerikanische Staats- und Regierungschefs und die US-Administration in regelmäßigen Abständen Unfreundlichkeiten ausrichten, bastelt die EU an den `battle groups`, die nach dem Willen wesentlicher Kerneuropanationen vorwiegend in Afrika eingesetzt werden sollen. Steht Afrika vor einer neuen Kolonialisierung? Führen `heiße Ressourcenkriege` zu einer neuen Politik der Zusammenarbeit in Lateinamerika? Kann Russland sein Gewicht im Kaukasus und in Zentralasien für neue Allianzen und Bündnisse nutzen?

Der Wettlauf um die Ressourcen hat nicht nur EU-Energiestrategien oder vorgebliche `Abrüstungskriege` zur Folge, sondern hat auch die Atomindustrie Morgenluft wittern lassen. Zentrales Argument ist der Klimawandel, an dessen Folgen bereits heute mehr Menschen sterben als durch den Terrorismus.

Während zentrale Teile der politischen EU-Eliten der Meinung sind, dass es ohne Kernkraft `dunkel` wird, so setzen zahlreiche staatliche und nichtstaatliche Initiativen auf die Weiterentwicklung und die effizientere Nutzung alternativer Energieträger. Diese auf Kyotoprotokoll-Verträglichkeit setzenden zukunftsweisenden Konzepte haben weiteste Teile der Bevölkerung als Partner und die Energiewirtschaft als Gegner. Nicht zuletzt die von vielen erhoffte Dezentralität der Politik mit erneuerbaren Ressourcen hat in letzter Konsequenz einen Bruch mit der klassischen Wirtschaftspolitik zur Folge.

Wie auf regionaler Ebene alternative Energieprojekte wachsen, so entstehen auch an den `Graswurzeln` neue Initiativen und zivilgesellschaftliche Netzwerke, die wesentliche Impulse für einen technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Wandel leisten. Den Pfad von einer gewaltförmigen zu einer friedensfähigen Energie- und Gesellschaftspolitik in Politik und Wirtschaft mehrheitsfähig zu machen, liegt an uns allen.
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