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Online-Veranstaltung

Mittwoch, 27. Oktober 2021 16.00 – 18.00 Uhr In meinem Kalender speichern

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Wahre Männlichkeit? Männlichkeiten und Männlichkeitsbilder in der Neuen Rechten

#6 Politische Männlichkeit


Wie lassen sich Männlichkeiten in Zeiten zunehmender neu-rechter Politiken neu definieren? Welche Politiken und Handlungsoptionen ermöglichen und unterstützen Alternativen zu rechten Männlichkeitskonstruktionen und -bildern? Dazu gehört auch der Blick auf Rahmenbedingungen, die die kritische Auseinandersetzung mit Männlichkeiten begünstigen oder verhindern. Im Sinne eines intersektionalen Ansatzes werden verschiedene soziale Dimensionen und deren Zusammenwirken betrachtet.

Mit Dr. Susanne Kaiser, Journalistin und politische Beraterin

In ihrem Buch „Politische Männlichkeit. Wie Incels, Fundamentalisten und Autoritäre für das Patriarchat mobilmachen“ untersucht Susanne Kaiser, wie sich sogenannte „Maskulinisten“ im Internet politisch organisieren. Diese Männer sehen sich als benachteiligt und diskriminiert an und machen dafür eine überzogene und zu weitreichende Emanzipation von Frauen in der Gesellschaft verantwortlich. Frauenfeindliches Gedankengut solcher Bewegungen wirkt Kaiser zufolge mehr und mehr in den politischen Diskurs hinein: „Populistische Parteien versuchen aus Attacken gegen einen vermeintlichen ‚Genderwahn‘ oder die LGBTQ-Community politisch Kapital zu schlagen. Zugleich schwören sie ihre Gefolgschaft auf ein traditionelles Verständnis von Männlichkeit ein.“ Die Folge sind z.B. gezielte Droh- und Hasskampagnen in den sozialen Medien gegen Frauen.

In ihrem Vortrag wird Susanne Kaiser ihre Untersuchungen präsentieren und mögliche Ursachen für diese Entwicklungen erläutern. Sie nimmt dabei das Spannungsfeld zwischen bestehender männlicher Vorherrschaft in vielen Lebens- und Arbeitszusammenhängen und der gleichzeitig immer stärkeren Infragestellung dieses Ungleichheitsverhältnisses in den Blick. Eine mögliche Erklärung für die sich immer mehr ausbreitende Misogynie in dem weltweit zu beobachtenden autoritären Backlash scheint politisierte Männlichkeit zu sein. Im Fachgespräch werden wir darüber und über mögliche Schlussfolgerungen für den Umgang damit in politischen, sozialen und gesellschaftlichen Handlungsfeldern diskutieren.

Veranstalter*innen
Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem Netzwerk Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse

Fachkontakt
Henning von Bargen, Gunda-Werner-Institut,
E vonbargen@boell.de

 


Informationen zur Veranstaltungsreihe

Weltweit ist ein Erstarken national-völkischer, neu-rechter Politiken zu beobachten. Dieser politische Megatrend bedient sich, wenn auch regional in ganz unterschiedlicher Ausprägung, verschiedener z.T. rassifizierender Zuschreibungen ethnischer, kultureller, nationaler, geschlechtlicher oder religiöser Gruppenidentitäten. In der politischen Auseinandersetzung wird von neu-rechten Akteur*innen eine Politik der Ausgrenzung und Abwertung dieser als „Andere“ oder „fremd“ markierten Gruppen forciert.

Mit den Wahlerfolgen der AfD ist - wenn auch im europäischen Vergleich verspätet - dieser Trend auch in Deutschland sichtbar geworden und stößt vor allem in gesellschaftlichen Debatten über Geschlecht und Männlichkeiten auf besondere Akzeptanz. Bisher als sicher geglaubte und als allgemein anerkannt angenommene Vorstellungen von Männlichkeit scheinen an Gültigkeit zu verlieren. Es entsteht der Wunsch, die als bedroht wahrgenommene geschlechtliche Gewissheit, z.B. „echte“ oder „wahre Männlichkeit“, wiederherzustellen.

In Deutschland lassen sich die Auswirkungen dieser Weltsicht z.B. an der steigenden Zahl von rassistischen und gewalttätigen Übergriffen auf Alles und Alle als nicht zugehörig gedeutete ablesen. Dazu zählen die Hetzjagden in Chemnitz, die Ermordung von Walter Lübke, der antisemitische und von antifeministischer Aufladung geprägte Anschlag in Halle, der rassistische Anschlag in Hanau, völkische und misogyne Hetze und Provokationen, die Nutzung polizeilicher Infrastrukturen für Morddrohungen u.a. gegen Politiker*innen und rechte Gesinnungen beim Kommando Spezialkräfte. Gemeinsam ist diesen Übergriffen, dass einerseits überwiegend Männer als Täter agieren und es sich andererseits bei den Angegriffenen um rassifizierte, migrantische und/oder marginalisierte Menschengruppen handelt, u.a. Schwarze, PoC, LGBTIQ-Personen, aber auch Frauen und Männer, die nicht dem traditionellen Bild von Weiblichkeit und Männlichkeit entsprechen.

Bisherige Erklärungsmuster und Deutungsangebote variieren erheblich. Die Veranstaltungsreihe bietet Diskussionen und Debatten über verschiedene wissenschaftliche Erklärungsansätze für das weltweite Erstarken rechts-nationaler Politiken, die Auskunft geben über Ursachen für die steigende Attraktivität und die Konstruktionsmechanismen rechter Männlichkeiten. Ebenso sollen Politiken und Handlungsoptionen vorgestellt werden, die Alternativen zu rechten Männlichkeitskonstruktionen und -bildern ermöglichen und unterstützen. Dazu gehört auch der Blick auf Rahmenbedingungen, die die kritische Auseinandersetzung mit Männlichkeiten begünstigen oder verhindern. Im Sinne eines intersektionalen Ansatzes werden verschiedene soziale Dimensionen und deren Zusammenwirken betrachtet.

Die Veranstaltungsreihe richtet sich an praxisnahe Akteur*innen, Fachkräfte und Multiplikator*innen, die mit Jungen* und Männern* arbeiten sowie an Menschen aus der Männlichkeits- und Geschlechterforschung sowie der Politik.

Die Veranstaltungsreihe mündet in eine Tagung im Frühjahr 2022, die die Erkenntnisse aus den Fachgesprächen aufnimmt und bündelt.

Eine Videodokumentation der bisherigen Termine finden Sie hier.

 


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Veranstaltungsreihe
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Veranstalter/in
Gunda-Werner-Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie
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