Dienstag, 07. September 2010 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Was kommt nach der Sintflut?

Pakistan zwischen Staatsversagen und Terrorismus

Eine Veranstaltung der Reihe `Jour Fixe - Debatten zur internationalen Politik` in Zusammenarbeit mit der taz - die tageszeitung.

Die Flutkatastrophe trifft Pakistan zum schlechtmöglichsten Zeitpunkt: Während die Armee an der Grenze zu Afghanistan einen verlustreichen Kampf gegen islamistische Terroristen führt und die Wirtschaft des Landes von einer schweren Energiekrise heimgesucht wird, müssen nun rund 20 Millionen Menschen mit den Folgen einer der größten Überschwemmungen leben, die das Land je gesehen hat.

Die Spendengelder aus dem Westen kamen zunächst nur zögerlich, weil Pakistan als ein Land gilt, das im Kampf gegen den Terrorismus nicht mit offenen Karten spielt: Einerseits kämpft die Armee tatsächlich gegen Taliban und al-Kaida. Andererseits wird der Staatsführung vorgeworfen, nicht ernsthaft gegen islamistische Gruppen einzuschreiten, weil diese noch in einem Stellvertreterkrieg gegen den Erzrivalen Indien in Afghanistan und Kaschmir gebraucht werden.

Wohltätigkeitsorganisationen mit engen Beziehungen zu Terrorgruppen waren denn auch unter den ersten, die den Flutopfern zur Hilfe kamen. Der Regierung, allen voran Präsident Asif Ali Zardari, wird vorgeworfen, viel zu langsam und zu spät auf die schwere Krise reagiert zu haben.

Folgende Fragen wollen wir an diesem Abend diskutieren:

  • Wie kann den Opfern der Flut und dem Land wirkungsvoll geholfen werden? Welche Rolle können der pakistanische Staat und die internationale Gemeinschaft spielen?
  • Droht nach der Flutkatastrophe der Zusammenbruch der fragilen staatlichen Strukturen?
  • Welchen Gewinn können islamistische Gruppen langfristig aus der Katastrophe ziehen?
  • Spielt Pakistan tatsächlich ein Doppelspiel und fördert unter der Hand Terroristen?
  • Welche Rolle können Deutschland und die EU spielen, um Pakistan zu stabilisieren?
  • Muss der Westen einen stärkeren Fokus auf Pakistan legen, um den Konflikt in Afghanistan in den Griff zu bekommen?

Mit:

  • Dr. Andrea Fleschenberg, Universität Marburg, Autorin der Studie `Abgeordnete in Afghanistan`
  • Sanjar Sohail, afghanischer Journalist und Chefredakteur der Tageszeitung Hasht-e Sobh („Acht Uhr Morgens“), Kabul
  • Dr. Soraya Rahim Sobhrang, Frauenrechtlerin und Menschenrechtsaktivistin, Kabul
  • Martin Kipping, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Berlin

Moderation:
Dr. Bente Scheller, Büroleitung, Heinrich-Böll-Stiftung, Kabul