Diskussion Mittwoch, 27. November 2019 /
Dresden

Was zu tun ist - Für eine demokratische Schule

Diskussionsabend

Urheber/in: Demokratische Schule Dresden . All rights reserved.
Datum, Uhrzeit
Mi., 27. Nov. 2019,
19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
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Veranstalter/in
Landesstiftung Sachsen (Weiterdenken)
Rechtliches
Allgemeine Geschäftsbedingungen

Schule soll junge Menschen auf ihre Rolle als mündige Bürger*innen in einer Demokratie vorbereiten. Sie soll Mut machen und Teilhabe eröffnen, anstiften zum kritischen Denken und solidarischem Miteinander. Aber schafft das die Schule so wie wir sie heute kennen? Christine Behrens, Rico Behrens und Stefan Breuer haben sich mit anderen auf den Weg gemacht, eine neue Schule zu gründen. Eine Schule mit einem anspruchsvollen Konzept von Teilhabe und demokratischer Mitbestimmung. Wie das konkret aussehen kann und welche Ideen sie haben, um Schule demokratisch fortzuentwickeln, wollen wir an diesem Abend mit ihnen diskutieren.

Wir sprechen mit den Initiator*innen der Demokratischen Schule Dresden über Teilhabe und demokratische Mitbestimmung an Schulen.

Zeit: 27. November 2019 // 19:00 Uhr
Ort: Kleines Haus  // Raum KH3 // Glacisstraße 28 // Dresden

 

|| Thesen ||

 

1. Mitbestimmung zulassen – nicht inszenieren.

Kindern und Jugendlichen weitreichende Entscheidungs- und Mitbestimmungsrechte zugestehen. Diskussionsräume so gestalten, dass sie nicht nur zu Wort kommen, sondern auch gehört werden.
Praktische Möglichkeiten: Schulversammlung als zentrales Entscheidungsorgan; Konfliktlösekreise

2. Anerkennung fixieren - Noten abschaffen

Individuelle Anerkennung in Form von emotionaler Zuwendung, sozialer Wertschätzung und persönlicher Achtung sind Grundbausteine um Selbstvertrauen und Selbstachtung aufzubauen und zu einer Persönlichkeit zu reifen. Noten leben vom Vergleich, sind wissenschaftlich gesehen als Leistungsbewertung zu einem Großteil Fiktion. Besonders im Grundschulalter tragen sie dazu bei, das Lernen zu entfremden.

3. Leben und Lernen als Einheit auffassen – Offenheit als Schulprinzip

Bis zum Schuleintritt lernen Kinder einfach so. Danach wissen sie schnell, dass man im Unterricht lernt. Alles andere ist Freizeit. Eine demokratische Schule dekonstruiert diese Künstlichkeit, in dem sie starre Strukturen auflöst, Lernanlässe im gemeinsamen Leben zulässt und unterschiedliche und passgenaue Lernformen sucht.

4. Den politischen Menschen fördern - Politik und Gesellschaft thematisieren

Demokratische Bildung bezieht sich nicht nur auf freiere Lern- und bestimmte Entscheidungsformen. Sie fördert ein ganzheitliches Politikverstehen und die Urteilsfähigkeit zu grundlegenden gesellschaftlichen Schlüsselproblemen (z.B. Umweltzerstörung, Krieg, Digitalisierung).

5. Passende Rollen finden – Ohne die Kunstfiguren Lehrer*in und Schüler*in auskommen

In einer Demokratischen Schule müssen Rollen neu definiert werden. Erwachsene sind nicht in allen Bereichen Expert*innen, Kinder und Jugendliche kein Objekt der Beschulung. Beziehungen sind wichtiger als Belehrungen. Sie begründen einen lebendigen Austausch. Pädagog*innen etablieren hierfür einen sicheren Rahmen. Dazu gehört durchaus auch die Vorbereitung von vielfältigen Lernumgebungen und Erfahrungsräumen.

6. Längeres gemeinsames Lernen ermöglichen – Gemeinschaftsschulen etablieren

Demokratische Bildung orientiert sich nicht an starren Klassen und Alterszuschnitten. Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Längeres gemeinsames Lernen schafft Raum, sich in einer sicheren Umgebung zu entwickeln. Die Alternative, Kinder im Alter von 10 Jahren unter elterlichen und gesellschaftlichen Druck zu setzen, den Sprung aufs Gymnasium zu schaffen ist künstlich und ungerecht. Dieses Problem wird in der vorherrschenden Ökonomisierung von Bildung auch nicht durch gute oder bessere Oberschulen gelindert.

 

 

 

Worum es geht bei unserer Veranstaltungsreihe WAS ZU TUN IST

Die Demokratie des 21. Jahrhunderts steht vor fundamentalen Herausforderungen. Sie ist mit verstärkten sozialen Ungleichheiten, gefährlichen Auswirkungen des Klimawandels und einer entfesselten, schwer lenkbaren Ökonomie konfrontiert. Diese Unsicherheiten haben die Zunahme populistischer Vereinfachungsstrategien, Vertrauensverluste in die Politik und die Medien, sowie die Zustimmung zu autoritären Systemen begünstigt. Und trotzdem: Angesichts dieser beunruhigenden Entwicklungen und auch nach den verschiedenen Wahlergebnissen 2019 in Sachsen dürfen und wollen wir nicht resignieren. Eine politische Kultur der Gerechtigkeit und universalen Menschenrechte, der nachhaltigen Lebensweise und liberaler Weltoffenheit wird sich behaupten und wir werden beitragen, sie neu zu erfinden. Trotzdem. Wir wollen jetzt Zukunft machen. Was müssen wir anders machen? Was ist jetzt zu tun?
Wir suchen mutige, radikale und reale Handlungsvorschläge, was zu tun ist. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Abwehr von rechtspopulistischen Tendenzen, sondern um praktische Schritte für eine demokratische, offene und sozial gerechte Gesellschaft.
Die erste Frage, die sich dabei sicherlich stellt, ist die nach gesellschaftlichen Visionen. Welche Gesellschaft streben wir an? Was ist unser utopisches Bild von Demokratie, Europa, der Hochschule der Zukunft, politischem Aktivismus, einer lebenswerten Stadt? Unsere Gäste werden Thesen zu den einzelnen Themen mitbringen, die wir mit dem Publikum diskutieren.
Zum Abschluss der Reihe wollen wir die Dringlichkeit bestimmter Aufgaben und Handlungsschritte aus den vorherigen Veranstaltungen herausarbeiten, fehlende Handlungsbereiche ergänzen, unsere realen Handlungsmöglichkeiten daran messen und persönliche Prioritäten setzen.

Studierende können sich die Veranstaltung durch einen Teilnahmeschein und eine Klausur für das Aqua-Modul anrechnen lassen.

Die Reihe ist eine Kooperation zwischen den Professuren für Politische Theorie und Ideengeschichte und der für Didaktik der politischen Bildung an der TU Dresden, dem Zentrum für Integrationsstudien der TU Dresden, dem Staatsschauspiel und Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen.
Das Staatsschauspiel Dresden führt die Diskussionen in seinen Stücken weiter, gibt zusätzliche Impulse, zeigt Emotionen und historische Bezüge.