- Sonntag, 17. Juni 2012 11.00 – 13.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Weltausstellung Prinzenstraße: Rechtsruck in Ungarn - alle schauen zu
Berichte von Balazs Kovalik und Kornel Mundruzco
1882 verschwand in Tiszaeszlár das christliche Mädchen Eszter Solymosi. Die jüdische Gemeinde wurde verdächtigt, sie geschlachtet und ihr Blut ins Pessachmahl gerührt zu haben. Ein aufsehenerregender Prozess begann, der europaweit kommentiert wurde. Nach zwei Jahren wurden die Angeklagten freigesprochen.
4. April 2012 (!): Im ungarischen Parlament plädiert ein Redner der rechtsradikalen Jobbik-Partei für eine Gedenkfeier für Eszter Solymosi. Er behauptet, die Macht des Auslands, das jüdische Finanzkapital, hätte zu diesem Ausgang des Prozesses geführt. Das Parlament schweigt und lässt es geschehen. Die Bevölkerung goutiert, die Intellektuellenszene scheint gelähmt. Und Europa ignoriert, was in seiner Mitte
geschieht. Seit Viktor Orbán und seine nationalkonservative Fidesz-Partei unter Beteiligung der Jobbik-Partei 2010 die Wahlen mit einer 2/3-Mehrheit gewannen, hat er Ungarn machtpolitisch und ideologisch radikal umbauen lassen. Die Elite in Staat und Verwaltung wurde weitgehend ausgetauscht. Im Kulturbereich richtete sich der Umbau gegen die urbane, plurale Budapester Intellektuellen- und Kulturszene, Homosexuelle und Ausländer. Ein erstes Opfer dieser Politik war der künstlerische Leiter der Budapester Staatsoper Balázs Kovalik, dessen Arbeiten auch an der Staatsoper Hannover zu sehen sind. Er gründete das Budapester Herbstfestival, das einst mit Einladungen internationaler Produktionen Furore machte und von nun an nur noch Heimisches zeigen soll. Ohne Begründung musste er innerhalb einer Woche seinen Platz räumen.
Jörg Tazsman (Deutschlandradio Kultur) wird mit ihm und dem Regisseur Kornél Mundruczó, dessen Inszenierung »Eszter Solymosi von Tiszaeszlár« am 16. und 17. Juni 2012 zum letzten Mal zu sehen sein wird, über die dramatischen Veränderungen in Ungarn sprechen und das unerklärliche Schweigen darüber.
4. April 2012 (!): Im ungarischen Parlament plädiert ein Redner der rechtsradikalen Jobbik-Partei für eine Gedenkfeier für Eszter Solymosi. Er behauptet, die Macht des Auslands, das jüdische Finanzkapital, hätte zu diesem Ausgang des Prozesses geführt. Das Parlament schweigt und lässt es geschehen. Die Bevölkerung goutiert, die Intellektuellenszene scheint gelähmt. Und Europa ignoriert, was in seiner Mitte
geschieht. Seit Viktor Orbán und seine nationalkonservative Fidesz-Partei unter Beteiligung der Jobbik-Partei 2010 die Wahlen mit einer 2/3-Mehrheit gewannen, hat er Ungarn machtpolitisch und ideologisch radikal umbauen lassen. Die Elite in Staat und Verwaltung wurde weitgehend ausgetauscht. Im Kulturbereich richtete sich der Umbau gegen die urbane, plurale Budapester Intellektuellen- und Kulturszene, Homosexuelle und Ausländer. Ein erstes Opfer dieser Politik war der künstlerische Leiter der Budapester Staatsoper Balázs Kovalik, dessen Arbeiten auch an der Staatsoper Hannover zu sehen sind. Er gründete das Budapester Herbstfestival, das einst mit Einladungen internationaler Produktionen Furore machte und von nun an nur noch Heimisches zeigen soll. Ohne Begründung musste er innerhalb einer Woche seinen Platz räumen.
Jörg Tazsman (Deutschlandradio Kultur) wird mit ihm und dem Regisseur Kornél Mundruczó, dessen Inszenierung »Eszter Solymosi von Tiszaeszlár« am 16. und 17. Juni 2012 zum letzten Mal zu sehen sein wird, über die dramatischen Veränderungen in Ungarn sprechen und das unerklärliche Schweigen darüber.
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