- Dienstag, 13. Oktober 2009 19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Wem gehört die Straße?
Mit der Wende änderte sich auch das Gesicht der Stadt Dresden. Die vielfach marode Bausubstanz musste erneuert werden- über das wie und für wen wurde leidenschaftlich gestritten. Ging es den einen um eine möglichst schnelle und detailgetreue Rekonstruktion des alten Glanzes, kämpften andere um den Erhalt von städtischen Freiräumen. Im Zentrum der Debatte um die unterschiedlichen Sanierungspläne stand häufig die Dresdner Neustadt. Zu DDR-Zeiten komplett vernachlässigt, waren die Wohnverhältnisse dort meist schlecht bis teilweise lebensgefährlich. Gerade dort hatte sich aber ein buntes Biotop für (Lebens-) KünstlerInnen, AussteigerInnen, Intellektuelle und anderen Menschen mit alternativen Lebenskonzepten entwickelt. Besonders diese „Szene“ wehrte sich massiv gegen alle Pläne der Kommerzialisierung und Gentrifizierung ihres Viertels. Als sanierungsbegleitende Bürgerinitiative wurde bspw. die Interessengemeinschaft Äußere Neustadt e.V., für eine bewahrende Erneuerung aktiv. Diese Rahmenbedingungen und Formen zivilgesellschaftlichen Engagements in der Dresdner Äußeren Neustadt werden in unsere Ausstellung im Teil „Lasst die alten Häuser stehen“ – Aufbruch und Umbruch in der Äußeren Neustadt diskutiert. Die Dresdener und DresdnerInnen brachten ihre Stadt 1989 in Aufruhr und Bewegung. So war der öffentliche Raum im Zuge der Demonstrationen 1989/90 als Ort der Versammlung und freien, politischen Meinungsäußerung zurückerobert worden. Die Straßen und Plätze Dresdens wurden die Kristallisationspunkte der Friedlichen Revolution an denen sich die politischen Forderungen der Dresdner BürgerInnen artikulierte, wo Meinungsfreiheit und Dialog mit den Mächtigen massenhaft eingefordert und letztlich erreicht wurden. Dennoch schwand diese Bedeutung des öffentlichen Raums zusehends mit dem Sturz des DDR-Regimes und den Weichenstellungen hin zur Wiedervereinigung. Der Ausstellungsteil „Wem gehört die Straße?“ setzt sich mit diesem Ringen um die Besetzung des öffentlichen Raums auseinander und zeigt Demonstrationen und ihre Wirkungen in der DDR, in der Friedlichen Revolution und in der pluralistischen Gesellschaft der Gegenwart. An diesem Abend möchten wir diese Facetten von Stadterneuerung und der Rolle des öffentlichen Raums in der bewegten Wendezeiten für die Stadt Dresden und seine BürgerInnen in den Mittelpunkt stellen. Außerdem wollen wir den Blick nach vorn richten und fragen, wie sich die Möglichkeiten zur kommunikativen und partizipativen Nutzung des öffentlichen Raums für Dresdner BürgerInnen derzeit gestalten? Wo sind heute die kreativen Freiräume in der Landeshauptstadt zu finden und wohin entwickelt sich die Stadt? Unsere Gäste sind zwei Dresdner, die sich auf verschiedene Weise in die Diskussion um Stadtentwicklung und die Nutzung öffentlichen Raums während und nach der Wende eingebracht haben. Wir wollen ihre Eindrücke und Perspektiven von damals und heute kennenlernen und mit ihnen diskutieren.
Unsere Gäste:
Detlef Pflugk, wurde in Rostock geboren und lebt seit 1981 in Dresden. Er ist diplomierter Ingenieur und Sozialpädagoge und arbeitet derzeit als Schulsozialarbeiter an zwei Berufsschulzentren. Er war lange in der IG Äußere Neustadt als kritischer und kreativer Begleiter der Sanierung aktiv, er engagierte sich unter anderem als ehrenamtlicher Denkmalpfleger und Mieterberater setzt sich auch heute noch für seinen Stadtteil ein.
Unsere Gäste:
Detlef Pflugk, wurde in Rostock geboren und lebt seit 1981 in Dresden. Er ist diplomierter Ingenieur und Sozialpädagoge und arbeitet derzeit als Schulsozialarbeiter an zwei Berufsschulzentren. Er war lange in der IG Äußere Neustadt als kritischer und kreativer Begleiter der Sanierung aktiv, er engagierte sich unter anderem als ehrenamtlicher Denkmalpfleger und Mieterberater setzt sich auch heute noch für seinen Stadtteil ein.