Mittwoch, 13. Mai 2015 /
Berlin

Wider jede Vernunft

Auswirkungen des Antibiotika-Verbrauchs in der Tierhaltung

Datum, Uhrzeit
Mi., 13. Mai 2015,
18.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin

Antibiotika sind unersetzliche medizinische Helfer und Lebensretter. Bei bakteriellen Infektionen kann ihr Einsatz darüber entscheiden, ob eine Krankheit nach wenigen Tagen abklingt oder im schlimmsten Fall lebensbedrohlich wird. Dennoch ist die Wirksamkeit der vorhandenen Antibiotika zunehmend eingeschränkt, sterben immer mehr Menschen aufgrund multiresistenter Keime: Denn  Bakterien entwickeln selbst zunehmend Abwehrmechanismen und Resistenzen gegen die eingesetzten Antibiotika.

Die Ursache liegt im übermäßigen Ge- und Missbrauch von Antibiotika - und zwar nicht nur in den Krankenhäusern: Mittlerweile werden mehr Antibiotika an gesunde Tiere als an kranke Menschen gegeben und auch verschleppte Kleinstmengen etwa in der Umwelt, in Tiertränken und im Futter tragen zur Bildung von Antibiotikaresistenzen bei.

Um die Wirksamkeit der begrenzten Antibiotikawirkstoffe zu sichern, will die EU gegen die Entwicklung multiresistenter Keime vorgehen. Gleichzeitig hat die EU-Kommission einen Entwurf  für eine Richtlinie vorgelegt, der zufolge Antibiotikawirkstoffe wieder vermehrt in Futtermittel eingemischt werden dürften. Kritiker warnen, die Richtlinie berge enorme Risiken für eine Zunahme von Resistenzen. Eine Mehrheit im Agrarausschuss des Europäischen Parlamentes jedoch begrüßt die Öffnung für mehr Antibiotika im Futter als Erleichterung für Fleisch- und Milchproduzenten.

Die öffentliche Kritik am massiven Medikamenten-Verbrauch in der Tierhaltung wird immer lauter. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO mahnt eindringlich, dass sich der Umgang mit Antibiotika zwingend ändern muss.

Doch wie muss die Tierhaltung umgestaltet werden, um die Ursachen und nicht nur die Folgen in den Griff zu bekommen? Welchen konkreten Handlungsbedarf gibt es für die tiermedizinische Praxis? Brauchen die Fleisch- und Milcherzeuger in den 28 EU-Mitgliedsstaaten einen gesetzlich geregelten leichteren Zugang zu Antibiotika im Futter, um wettbewerbsfähig zu arbeiten? Greifen Maßnahmen der Politik wie die von der Bundesregierung eingeführten Meldepflichten für den Antibiotika Einsatz oder das Europäische Tierarzneimittel-Paket, das gerade beraten wird?

Zu diesen und weiteren Fragen wollen wir Wissenschaftlern und Praktikern aus Medizin, Umwelt, Landwirtschaft und Politik zu Wort kommen lassen, um die Praxis des Antibiotika-Einsatzes im Stall, seine Folgen für Mensch und Umwelt sowie den Handlungsbedarf für wirksame Wege zur Reduktion beleuchten.


Einführung

  • Reinhild Benning, BUND e.V.

Impulsvorträge

  • Verbreitung von Antibiotikaresistenzen und Folgen für den Menschen
    Prof. Dr. K.-D. Zastrow, Vivantes Kliniken Berlin, Berufsverband Deutscher Hygieniker, Deutsche Gesellschaft  für Krankenhaushygiene)
  • Aus dem Stall in die Umwelt: Belastung von Grundwasser durch Tierarzneimittel
    Frederike Balzer, Umweltbundesamt, Fachgebiet Ländliche Entwicklung und Landwirtschaft (Studie "Antibiotika und Antiparasitika im Grundwasser unter Standorten mit hoher Viehbesatzdichte“)
  • Von der Regel zur Ausnahme: Wirksame Wege zur Antibiotika-Reduktion im Stall
    Dr. Andreas Striezel, Fachtierarzt für Tierschutz, Homöopathie, Bestandsbetreuung Rind und Leiter des AK Nutztier der Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin e.V.
  • Europaweit für eine gesunde Haltung: Aktuelle Debatten und politischer Handlungsbedarf
    Martin Häusling, MdEP, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA und Schattenberichterstatter des EU-Tierarzneimittel-Pakets

Podiumsdebatte mit anschließender Publikumsdiskussion

Aus Anlass der Veranstaltung stellt Martin Häusling  eine überarbeitete Neuauflage der Studie „Masse statt Klasse – Eine Haltung, die krank macht“ der Fraktion EFA/Die Grünen im Europaparlament vor.

 

Hinweis: Die Veranstaltung wird als Livestream übertragen.

 

Fachkontakt:
Christine Chemnitz
Referentin für internationale Agrarpolitik
T 030-285 34 - 312
E chemnitz@boell.de