- Dienstag, 02. November 2004 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Wie demokratisch ist Europa?
Die EU im Umbruch
Auf der Galerie...<br>
Debatten zur internationalen Politik<br>
Jour-Fixe der Heinrich-Böll-Stiftung und der
tageszeitung
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Die Ost-Erweiterung hat die
Strukturprobleme der EU sichtbarer
gemacht: ihre zunehmende Größe macht
die Union einerseits immer schwerer
manövrierbar, andererseits stoßen die
starke Kompetenzausweitung der
Kommission und die begrenzte Macht des
Europäischen Parlaments auf zunehmende
Kritik. Das gefühlte Defizit an Demokratie
bestimmt die Wahrnehmung der EU-
Bürgerinnen und Bürger selbst zentraler
Projekte wie der europäischen Verfassung,
die dem Parlament der 25 durchaus mehr
Kompetenzen und größeren Einfluß
zugesteht. Das Mitsprache- und
entscheidungsrecht der
VolksvertreterInnen wird ausgeweitet und
als Grundprinzip festgeschrieben.
Allerdings sieht die Verfassung auch
weiterhin eine große Zahl von Ausnahmen
vor, insbesondere in der Wirtschaft- Außen
und Sicherheitspolitik. Weiterhin wird dem
Europäischen Parlament das Initiativrecht
für Gesetze vorenthalten, das exklusiv bei
der Kommission verbleibt.
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Immerhin bestimmt der Vertrag, daß die
Kommission dem Parlament verantwortlich
ist. Die aktuelle Diskussion um die neue
Kommission unter José Barroso, besonders
um den designierten Justiz- und
Innenkommissar Buttiglione ist ein Zeichen
neuen Selbstbewußtseins des Parlaments.
Der Streit darüber ließ gar den
italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi
als vehementen Verfechter der Meinungs-
und Gewissenfreiheit auftreten. Nach
Ansicht von konservativen Vertretern
würde eine Ablehnung der Kommission
zumindest eine europäische
Verfassungskrise auslösen. EP-Präsident
Josep Borrell brachte die Debatte jedoch
bestechend schlicht auf den Punkt: „Das ist
Demokratie."
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In Sachen Demokratie und Bürgernähe hat
sich auch im Verfassungswerk einiges
bewegt. Die Verfassung eröffnet nun die
Möglichkeit von Volksbegehren mit einer
niedrigeren Beteiligungsschwelle. Vor
diesem Hintergrund und mit Blick auf die
Akzeptanzprobleme muss die Diskussion
um mögliche Zustimmungsreferenden
bewertet werden, insbesondere in
Deutschland. Die Bundesrepublik wäre der
einzige der großen europäischen Staaten,
in dem die BürgerInnen nicht direkt über
den Verfassungsvertrag entscheiden
dürften. Hinter der bisherigen
Verweigerung steht die Furcht vor einer
Ablehnung der Verfassung - in diesem
Zusammenhang war die von der Union
geplante populistische Unterschriftenaktion
gegen einen EU-Beitritt der Türkei nicht
besonders hilfreich. Wie in Frankreich
steigt aber auch hierzulande der Druck auf
den Gesetzgeber, ein Referendum zu
ermöglichen. Dies ist zugleich eine
Chance: kann die Politik nicht gerade über
ein Werben für die Verfassung den
Bürgern Europa näher bringen? Und was
würde es für Deutschland bedeuten, wenn
hier kein Verfassungsreferendum
abgehalten würde? Wie stehen die
Chancen für ein EU-weites Referendum?
Wird die Europäische Union durch den
Verfassungsvertrag demokratischer?
Welche Bedeutung hat die
Auseinandersetzung um die Barroso-
Kommission mit Blick auf das vielfach
bemängelte Demokratie-Defizit und die
Kritik an einer zu ökonomistischen
Orientierung der Kommission, aber auch
der Verfassung?
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Mit:<br>
<b>Jaroslav Sonka</b>, Europäische
Akademie<br>
<b>Prof. Antje Wiener</b>, Universität
Belfast <br>
<b>Michael Cramer</b>, MdEP, Grüne/EFA<br>
<b>Ralf Fücks</b>, Vorstand Heinrich-
Böll-Stiftung<br>
Moderation:<br>
<b>Sabine Herre</b>, die tageszeitung
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin