Seminar

Samstag, 11. Februar 2017 – Sonntag, 12. Februar 2017 In meinem Kalender speichern

Seminar

Wohin steuert die Türkei?

Putschversuch, Ausnahmezustand und die Umstrukturierung des Staates

Seit dem blutigen Putschversuch vom 15. Juli 2016 herrscht in der Türkei der politische Ausnahmezustand, um die Anhänger von Fethullah Gülen, die den Putsch organisiert haben sollen, aus dem Staatsapparat und öffentlichen Leben zu entfernen. Die Ereignisse lassen sich auf den ersten Blick schwer durchschauen, scheinen sogar surreal, da während der goldenen Jahre der AKP Regierung (2002-2013) die Gülenisten und die AKP-Kader eine weitgehend symbiotische Beziehung hinsichtlich der politischen und sozio-ökonomischen Entwicklung des Landes hatten, bis innen- und außenpolitische Meinungsverschiedenheiten zum Zerwürfnis der beiden Akteure des rechten Flügels führten. Schließlich steht nichts Geringeres auf dem Spiel als die Restrukturierung des Staates. Und genau hier bedarf es einer fundierten Analyse, um ohne Verschwörungstheorien die gegenwärtigen Spannungen in der Türkei zu verstehen. Die Auseinandersetzungen in der Türkei sollen dabei in den globalen Kontext eingebettet und mit den Argumenten des italienischen Philosophen Giorgio Agamben als Ausdruck einer grundlegenden Umwandlung des uns vertrauten rechtsstaatlichen Staatmodells hin zu einem Sicherheitsstaat betrachtet werden.

In diesem Wochenendseminar werden wir uns vor dem Hintergrund des aufkommenden Sicherheitsdenkens und neokonservativen-neoliberalen Gesellschaftsmodells den vielfältigen Facetten der jüngsten Entwicklungen in der Türkei und ihrer Folgen widmen. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen: Wie können wir die gegenwärtigen Entwicklungen in der Türkei im historischen Kontext verstehen und sie mit Blick auf die globalen sozio-kulturellen und ökonomischen Veränderungsprozessen erklären? Wer sind die Akteure, welche Motivationen liegen ihren Handlungen zu Grunde und welche politischen Ziele verfolgen sie? Welche Perspektiven sind (noch) vorhanden für eine demokratische Zivilgesellschaft?

Seminarleitung:
Dr. Alphan Tuncer
Dr. Mehmet Gökhan Tuncer

Dr. Alphan Tuncer ist freiberuflicher Politikwissenschaftler und Dozent und sowie Mitgründer der Initiative „Zweiheimisch“. Nach dem Masterstudium „Internationale Beziehungen“ an der School of Oriental and African Studies (University of London) promovierte er an der HU Berlin über die Transformation der Türkei und ihre Außenpolitik während des Kalten Krieges. Seine Forschungsschwerpunkte sind Theorien der Internationalen Beziehungen (insb. Kritische Theorie), Innen- und Außenpolitik der Türkei, deutsch-türkische Beziehungen sowie die Außenpolitik der MENA-Region (Nahost und Nordafrika) und EU-MENA Beziehungen.

Dr. Gökhan Tuncer, promovierter Politikwissenschaftler und Dozent an der HU Berlin im „Deutsch-Türkischer Masterstudiengang für Sozialwissenschaften“. Seit über 20 Jahren  ist er neben der Arbeit mit Studierenden im universitären Kontext ehrenamtlich im Bereich der politischen Bildung gesellschaftlich engagiert.
Thematische Schwerpunkte sind u.a.: sozialer und politischer Wandel im Nahen Osten, in Nordafrika und in der Türkei, die Auswirkungen der neoliberalen Globalisierung auf sogenannte Entwicklungsländer, populistische Bewegungen im Norden sowie im Süden, kritische Europastudien, Gender und Entwicklung, Demokratie- und Menschenrechtsbewegungen im Norden und Süden.

Seminarzeiten:
Samstag 10:00 - 17:30 Uhr
Sonntag 11:00 - 17:30 Uhr

Das Seminar ist kostenfrei.

Der Workshop ist teilnahmebegrenzt auf 16-22 Personen.

Anmeldung bitte unter Angabe Ihrer Adresse und Telefonnummer. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung.

Infos im Bildungswerk: Birgit Guth, guth@bildungswerk-boell.de

Diese Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

Adresse
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung
Olivaer Platz 16
10707 Berlin
Veranstalter*in
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)
Teilnahmegebühren
kostenfrei