Diskussionsreihe Dienstag, 18. Februar 2020 /
Berlin

Zeitgenössische Kriegsökonomien zwischen Konflikt und Kapitalismus

Economy at War I

Datum, Uhrzeit
Di., 18. Febr. 2020,
18.30 – 20.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
▶ Siehe Veranstaltungsbeschreibung

Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)
"Kriegsökonomie" ist ein omnipräsenter Begriff in aktuellen Debatten um Länder wie Syrien, Irak oder Libyen. Die dominante Idee der Kriegsökonomie sieht diese als eine Normabweichung und geht davon aus, dass Wirtschaften durch Gewalt zerstört würden. Es entwickeln sich neue Kriegs-Profiteure, so genannte Warlords, die ein (ökonomisches) Interesse an der unendlichen Fortsetzung des Krieges hätten. Dementsprechend wird für viele Ökonom*innen, Geber*innen und NGOs eine "Normalisierung" der Wirtschaft zunehmend auch als Lösung des Krieges in Stellung gebracht.

Dieses Konzept suggeriert, dass Wirtschaft und Krieg sich antagonistisch gegenüber stünden. Es ignoriert jedoch die zerstörerischen und negativen Effekte der neoliberalen Vorkriegsökonomien. Wenn wir ökonomische Beziehungen nicht als inhärent friedlich und gerecht, sondern als zwangvoll und ausbeuterisch verstehen, ergibt sich die Ökonomie womöglich eher als Ursache und Fortsetzung denn als Lösung des Krieges. Ausgehend von diesem Spannungsfeld wollen wir uns in der Veranstaltungsreihe „Economies at War“ kritisch dem Begriff Kriegsökonomie widmen.

In der ersten von fünf Veranstaltungen werden wir das Konzept kontextualisieren und anhand von Beispielen greifbar machen. Jamie Allison und Raga Makawi werden das Konzept theoretisch und praktisch mit der Vorkriegs- und der sich entwickelnden Nachkriegsökonomie in Syrien diskutieren. Weitere Veranstaltungen werden sich mit Kurdistan, dem Irak und weiteren Ländern der Region beschäftigen.

Veranstaltungssprache: Englisch mit deutscher Flüsterübersetzung

Die Veranstaltung ist ausgebucht. Es ist keine Anmeldung mehr möglich.

Referent*innen:
Dr. Jamie Allison Dozent für Politik und Internationale Beziehungen des Mittleren Ostens an der Universität Edinburgh. Er ist Autor von „The Struggle for the State in Jordan: The Social Origins of Alliances in the Middle East“ (IB Tauris, 2016) sowie Ko-Preisträger des Jadaliyya Buchpreises für Politische Ökonomie.

Raga Makawi ist aktiv beim Movement of the Restoration of Workers Trade Unions in Sudan.

Eine Kooperationsveranstaltung von dis:orient und dem Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Diese Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

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Contemporary war economies between conflict and capitalism

"War Economy" is an ubiquitous term in current debates on countries like Syria, Iraq, or Libya. The dominant idea of war economy perceives a deviation from the norm and presumes that economies are destroyed by violence; new actors - so called warlords - emerge as war profiteers who have an interest in the perpetuation of conflict. Thus, for many economists, donors and NGOs, the economy also becomes the solution to war.

This concept suggests that eceonomy and war are in an antagonistic relationship. It ignores, though, the destructive and negative effects of neoliberal prewar economies. If we don't see economic relationships as inherently peaceful and just but as coercive and exploitative, the economy becomes a cause and a continuation of war rather than a solution. Using this tension as a starting point, our speakers will discuss the term war economy.

In this first of five events, we will contextualize the concept along concrete regional examples and experiences in West Asia and North Africa. Jamie Allison and Raga Makawi will theoreticalla and practically discuss the pre- and emerging postwar economy in Syria. Further events will deal with Kurdistan, Iraq and more.

The event will be held in English.

Dr. Jamie Allison is lecturer of politics and international relations at the University of Edinburgh. He is the author of „The Struggle for the State in Jordan: The Social Origins of Alliances in the Middle East“ (IB Tauris, 2016) and co-recipient of the Jadaliyya book-prize for political economy.

The event is full. Registration is no longer possible.

Raga Makawi Sudanese Political Activist and liaison for the Movement of the Restoration of Workers Trade Unions in Sudan.

The event is co-organized by dis:orient and Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung.

Made possible through funding from Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.