- Mittwoch, 28. März 2007 19.30 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Zeitgeschichte auf der Galerie #16: Wohin treibt die DDR-Erinnerung? Dokumentation einer Debatte
Podiumsdiskussion
Als im Sommer letzten Jahres die sogenannte Sabrow-Kommission nach etwa einjähriger Arbeit ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit vorstellte, war das Medienecho ungewöhnlich groß. Die Expertenkommission wurde von der damaligen Bundesbeauftragten für Kultur und Medien Christina Weiss ins Leben gerufen, um Vorschläge für eine Neuordnung der DDR-Erinnerungslandschaft zu erarbeiten. Das Gremium unter der Leitung des Potsdamer Zeithistorikers Martin Sabrow sollte ein Konzept zur Schaffung eines Geschichtsverbundes „Aufarbeitung der SED-Diktatur“ entwickeln, in dem die Gedenkstättenarbeit dezentral organisiert werden sollte.
Die Kommission ging bei ihrer Arbeit von einem positiven Befund aus: Der Schweigekonsens der Nachkriegszeit sei einem Aufarbeitungskonsens der Gegenwart gewichen. Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur unterscheide sich daher signifikant von der Aufarbeitung der NS-Diktatur in den ersten beiden Jahrzehnten nach 1945.
Der Veröffentlichungszeitpunkt der Ergebnisse fiel zusammen mit zwei Medienereignissen, die die öffentliche Aufmerksamkeit erneut für DDR-Unrecht sensibilisierten: Zum einen der Erfolg des Films „Das Leben der Anderen“, zum anderen das Auftreten eines sogenannten Insiderkomitees ehemaliger Stasi-Mitarbeiter in der Lichtenberger Bezirksversammlung im März 2006, bei der die Opfer der Repression offen verhöhnt wurden.
Die Empfehlungen der Kommission wurden in der Öffentlichkeit intensiv debattiert. Kritiker verteidigten die bisherige Gedenkstättenarbeit als Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements und befürchteten eine Zentralisierung, gar eine Trivialisierung der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Auf der anderen Seite sahen Befürworter der Empfehlungen einen wichtigen Schritt in der Aufarbeitung der zweiten deutschen Diktatur. Das Konzept stellte ihrer Ansicht nach eine Professionalisierung der Erinnerungsarbeit dar, womit sie dem Aufklärungsanspruch eher gerecht werden würde.
Der Band „Wohin treibt die DDR-Erinnerung?“ dokumentiert die Kontroverse um das Votum der Sabrow-Kommission. Kritiker wie Befürworter kommen darin zu Wort und ein großer Teil der Dokumentation ist der Auseinandersetzung in der Presse seit der Veröffentlichung der Kommissionsergebnisse gewidmet.
Erkennbare politische Resultate haben die Empfehlungen der Kommission allerdings noch nicht nach sich gezogen. Es bleibt also bei der Frage: „Wohin treibt die DDR-Erinnerung?“
Buchpräsentation und Podiumsdiskussion mit:
Martin Sabrow, Zentrum für Zeithistorische Studien, Potsdam
Michael Schwartz, Institut für Zeitgeschichte München/Berlin
Tobias Hollitzer, Stellv. Vorstandsvorsitzenden des Bürgerkomitee Leipzig e.V.
Moderation: Marianne Zepp, Heinrich Böll Stiftung e.V.
Die Kommission ging bei ihrer Arbeit von einem positiven Befund aus: Der Schweigekonsens der Nachkriegszeit sei einem Aufarbeitungskonsens der Gegenwart gewichen. Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur unterscheide sich daher signifikant von der Aufarbeitung der NS-Diktatur in den ersten beiden Jahrzehnten nach 1945.
Der Veröffentlichungszeitpunkt der Ergebnisse fiel zusammen mit zwei Medienereignissen, die die öffentliche Aufmerksamkeit erneut für DDR-Unrecht sensibilisierten: Zum einen der Erfolg des Films „Das Leben der Anderen“, zum anderen das Auftreten eines sogenannten Insiderkomitees ehemaliger Stasi-Mitarbeiter in der Lichtenberger Bezirksversammlung im März 2006, bei der die Opfer der Repression offen verhöhnt wurden.
Die Empfehlungen der Kommission wurden in der Öffentlichkeit intensiv debattiert. Kritiker verteidigten die bisherige Gedenkstättenarbeit als Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements und befürchteten eine Zentralisierung, gar eine Trivialisierung der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Auf der anderen Seite sahen Befürworter der Empfehlungen einen wichtigen Schritt in der Aufarbeitung der zweiten deutschen Diktatur. Das Konzept stellte ihrer Ansicht nach eine Professionalisierung der Erinnerungsarbeit dar, womit sie dem Aufklärungsanspruch eher gerecht werden würde.
Der Band „Wohin treibt die DDR-Erinnerung?“ dokumentiert die Kontroverse um das Votum der Sabrow-Kommission. Kritiker wie Befürworter kommen darin zu Wort und ein großer Teil der Dokumentation ist der Auseinandersetzung in der Presse seit der Veröffentlichung der Kommissionsergebnisse gewidmet.
Erkennbare politische Resultate haben die Empfehlungen der Kommission allerdings noch nicht nach sich gezogen. Es bleibt also bei der Frage: „Wohin treibt die DDR-Erinnerung?“
Buchpräsentation und Podiumsdiskussion mit:
Martin Sabrow, Zentrum für Zeithistorische Studien, Potsdam
Michael Schwartz, Institut für Zeitgeschichte München/Berlin
Tobias Hollitzer, Stellv. Vorstandsvorsitzenden des Bürgerkomitee Leipzig e.V.
Moderation: Marianne Zepp, Heinrich Böll Stiftung e.V.
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin