- Freitag, 18. Juni 2004 – Samstag, 19. Juni 2004 In meinem Kalender speichern
Zukunft der Gerechtigkeit
Herausforderungen und Leitlinien für einen investiven Sozialstaat
Globalisierung und Standortkonkurrenz,
die digitale Revolution und der Übergang
zur Wissensgesellschaft, ein fundamentaler
Wandel im Altersaufbau der Gesellschaft,
verbunden mit deutlichem
Bevölkerungsrückgang, die Erosion
traditioneller sozialer Netze und die
Tendenz zur Individualisierung, die
anhaltende Massenarbeitslosigkeit und die
strukturellen Defizite der öffentlichen
Haushalte erzwingen eine Reform des
Sozialstaats an Haupt und Gliedern.
Der „rheinische Kapitalismus“ mit seinen
bisherigen Methoden sozialer Integration
und Konsensbildung steht auf dem
Prüfstand. <br><br>
Es geht um eine neue Kombination von
Eigenverantwortung und Solidarität,
Bildung und ökonomischer Innovation,
staatlichen Garantien und
bürgergesellschaftlichem Engagement,
Chancengleichheit und Wettbewerb,
privatem Wohlstand und öffentlichen
Gütern. Wie Chancen und Risiken künftig
verteilt werden, ist ebenso strittig wie das
erstrebenswerte Maß an sozialer
Gleichheit. Die öffentliche Aufmerksamkeit
verlagert sich von der staatlichen
Umverteilung des Reichtums auf die
Sicherung der Wertschöpfung selbst, die
das Fundament des Sozialstaats bildet.
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Die westlichen Gesellschaften verfügen
heute über ein weit höheres Maß an
Wissen, disponibler Zeit und über weit
bessere Kommunikationsmittel als frühere
Generationen. Die Fähigkeit der
Gesellschaft zur Selbstorganisation ist
gewachsen. Von dem Einzelnen geht
deutlich mehr Eigeninitiative aus. Daran
kann eine Politik anknüpfen, die sich am
Leitbild einer sozialen Bürgergesellschaft
orientiert. Der Sozialstaat bleibt wichtig,
aber er kann das soziale Engagement
seiner Bürger/innen nicht ersetzen, ebenso
eine innovativ gestaltete Ausstattung mit
öffentlichen Gütern.<br><br>
Mit der Ausdifferenzierung der Gesellschaft
muss soziale Politik den Fokus stärker auf
einzelne Bevölkerungsgruppen und
Lebensläufe richten: Soziale Politik sollte
die Lebenschancen der Bürger verbessern,
ihre Integration in Erwerbsarbeit und das
soziokulturelle Leben fördern und den sich
wandelnden sozialen Bedürfnissen und
Risiken in verschiedenen Lebensphasen
Rechnung tragen, statt nur als Auffangnetz
zu funktionieren.
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin