Mittwoch, 07. Dezember 2011 18.30 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Zum Abschluss gebracht?

Eine Bilanz der Gacaca-Gerichtshöfe in Ruanda

Veranstaltungsreihe „Transitional Justice in Afrika“

Podiumsdiskussion und anschließende Filmvorführung

Mit
Leslie Haskell, Beraterin und ehemalige Rwanda Researcher für Human Rights Watch (HRW), Autorin des Berichts“Justice Compromised : The Legacy of Rwanda’s Community-Based Gacaca Courts”, (HRW), Genf
Dr. Ilona Auer-Frege, Koordinatorin, Ökumenisches Netzwerk Zentralafrika (ÖNZ), Berlin

Moderation:
Dirk Sprenger, freiberuflicher Berater, Berlin

Die Gacaca („Gatschatscha“ ausgesprochen) sind gemeinschaftliche Laiengerichtshöfe, die sich seit 2002 auf Dorfebene mit der Aufklärung der Verbrechen des zwischen April und Juli 1994 Begangenen ruandischen Genozids befassen. Ihre Arbeit ermöglichte bisher die Bearbeitung von mehr als 1,2 Millionen Fällen unterschiedlichsten Schweregrades. Die Arbeit soll im
Dezember 2011 endgültig abgeschlossen werden.

Die Erfahrung mit den Gacaca-Gerichtshöfen ist zwiespältig. Einerseits haben Gacaca den Justizvollzug beschleunigt und eine Anzahl von Fällen behandelt, welche die Kapazitäten regulärer Gerichtshöfe bei weitem übertroffen hätten.
Umstritten ist allerdings, ob die Gacaca als Schlichtungsinstrumente der Aufarbeitung eines Genozids
gewachsen waren.

Nach der Debatte zeigen wir den Dokumentarfilm „In The Tall Grass“ von John Coll Metcalfe (Englisch, 57 Min., 2006), der aus der Perspektive einer Überlebenden und eines Angeklagten des Genozids die Komplexität der Gacaca darstellt.

# Veranstaltungsreihe „Transitional Justice in Afrika“
Seit zwei Jahrzehnten hat die Anzahl innerstaatlicher Konflikte in Afrika stetig zugenommen. Übergangsjustiz als Mechanismus zur Überwindung vergangenen Unrechts, zur Beendigung der Straflosigkeit und zur Versöhnung verfeindeter Gruppen hat damit kontinuierlich an Bedeutung gewonnen.

Die Übergangsjustiz ist jedoch vielfältigen Herausforderungen ausgesetzt und mit dem scheinbar unlösbaren Dilemma konfrontiert, Stabilität und Versöhnung zu stiften, ohne Wahrheitsfindung und Gerechtigkeit aus den Augen zu verlieren.

Mit der Veranstaltungsreihe „Transitional Justice in Afrika“ will die Heinrich-Böll-Stiftung Erfahrungen mit den verschiedenen Mechanismen der Vergangenheitsbewältigung diskutieren und aktuelle Entwicklungen begleiten. Anhand von Länderbeispielen
sollen die Herausforderungen der Übergangsjustiz in
Postkonfliktsituationen besprochen werden.