Geschichte erfahrbar machen: Aufarbeitung von Shoah und Täter_innenschaft mit Jugendlichen

Geschichte erfahrbar machen: Aufarbeitung von Shoah und Täter_innenschaft mit Jugendlichen

Abschlusstagung von ORTSBEGEHUNG – Stadtrecherchen zu Shoah und Täterschaft

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Shoah und Täter_innenschaft ist trotz der zeitlichen Distanz nach wie vor sehr interessant für Jugendliche. Historisch-politische Bildung dazu findet sowohl in der schulischen, wie auch der außerschulischen Bildungsarbeit statt – an beide werden inhaltlich und methodisch hohe Erwartungen gestellt. Im Rahmen der Tagung möchten wir diskutieren, welches Vorgehen und welche Methoden der Bildungsarbeit besonders erfolgreich und förderlich sind, wenn es um die Sensibilisierung und Empathieförderung von Jugendlichen zum Thema geht. Was ist bei einem Gedenkstättenbesuch vermittelbar, was kann Gedenkstättenpädagogik leisten? Wie kann das Thema des Widerstands im 3. Reich mit Jugendlichen thematisiert werden? Welche innovativen, künstlerischen Methoden sind praktikabel und sinnvoll bei der Bearbeitung des Themas? Welche Formen der oral history können genutzt werden, wenn Zeitzeug_innen nicht mehr vorhanden sind? Wie können lokale Bezüge und partizipative Ansätze eingesetzt werden?

Ziel der Tagung ist es, die Zugänge für Jugendliche zum Thema Shoah und Täter_innenschaft zu diskutieren. In Workshops werden zudem praktische Methoden zur thematischen Arbeit mit Jugendlichen vorgestellt und erprobt.

 

Programm:

09.30 Anmeldung
10.00 Begrüßung durch Inka Thunecke (Geschäftsführerin der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg) und Günter Morsch (Direktor Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten)

10.30 Solidarität und Hilfe – Handlungsoptionen und Formen des Widerstandes im Nationalsozialismus
Barbara Schieb / Gedenkstätte Deutscher Widerstand

11.30 Möglichkeiten und Grenzen der Bildungsarbeit in Gedenkstätten - Beispiele aus der Arbeit mit Jugendlichen in der Gedenkstätte Sachsenhausen
Martin Schellenberg / Leiter der Pädagogischen Dienste der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

12.15 Mittagspause

13.00 Führung durch die Gedenkstätte Sachsenhausen

14.00 Parallele Workshops
I. Spoken-Word und digitales Geschichtenerzählen - Katinka Kraft / Spoken-Word Künstlerin und Kai Egener / Medienpädagoge
II. Struktur und Geschichte in der künstlerischen Darstellung - Christoph Rodde / Künstler und Kulturpädagoge
III. Das fiktionale Stadtspiel - Nora Bosse und Susann Karnapke / Projekt ORTSBEGEHUNG, Heinrich- Böll-Stiftung Brandenburg

15.30 Kaffeepause

16.00 Zusammenfassung der Workshop-Ergebnisse im Plenum

16.30 Gewinn durch Zeitzeug_innengespräche: Nachfahren von Shoah-Überlebenden erzählen - Präsentation des Films „Wir sind die Antennen für Antisemitismus“ und anschließendes Gespräch mit dem Hauptprotagonisten des Filmes Michael Daniel Kröner

17.30 Vorstellung der Projektpublikation
18:00 Ende

Workshops:
I. Spoken-Word und digitales Geschichtenerzählen
Spoken-Word kann eine Methode für Jugendliche sein, um gerade Erlebtes zu verarbeiten und künstlerisch umzusetzen. Sie stammt aus dem Genre der darstellenden Kunst. In einem freewriting Prozess, einer Methode des kreativen Schreibens, können spontane Gedanken und Gefühle notiert werden. Diese Art des Schreibens fördert das schnelle Strukturieren von Gedanken, gibt dem kreativen Impuls einen Raum und unterstützt eine Auseinandersetzung mit dem externen und internen Erleben einer Erfahrung. Diese Methode soll im Workshop vorgestellt und angewandt werden. Wie die dabei entstandenen Texte anschließend digital umgesetzt werden können, wird anhand kurzer Beispielfilme erläutert.

II. Struktur und Geschichte in der künstlerischen Darstellung
Die Manifestation von Herrschaft wird oftmals durch die Analyse von Topographie, Geographie und Architektur deutlich. Besonders augenscheinlich ist dies beim Aufbau der Konzentrationslager. Anhand des Konzentrationslagers Sachsenhausen und der Betrachtung der Topographie des Lagers soll diese Manifestation der Herrschaft näher betrachtet werden. Durch eine angeleitete, künstlerische Bearbeitung sollen neue Perspektiven auf Strukturen und vermeintliche Manifestationen ermöglicht werden. Im Workshop soll diese Methode erläutert werden, um auch eine Diskussion über ihre Praktikabilität für Jugendliche anzuregen und der Frage nachzugehen, ob sie einen persönlichen Zugang zum Thema Herrschaftsstrukturen ermöglichen kann.

III. Das fiktionale Stadtspiel
Die Methode des fiktionalen Stadtspiels eignet sich, um einen ersten Einblick in die Wahrnehmung, das Wissen und die Sensibilisierung der Jugendlichen zum Thema Shoah und Täter_innenschaft zu bekommen. Diese Methode soll die herkömmlichen historischen Beweisführungsstrategien erweitern, indem nicht mit ausschließlich historischem Material gearbeitet, sondern die potentielle Dimension des Verbrechens erarbeitet wird. Die Methode des fiktionalen Stadtspiels wird in dem Workshop genau erläutert und praktisch angewendet. Es soll diskutiert werden, inwiefern sie geeignet ist, einen persönlichen Zugang für Jugendliche zum Thema Shoah und Täter_innenschaft zu schaffen

 

Die Tagung richtet sich insbesondere an Multiplikator_innen der historisch-politischen Kinder- und Jugendarbeit, Pädagog_innen und Lehrer_innen.

Die Teilnahme ist kostenfrei.
Um eine Anmeldung per Mail wird gebeten an Susann Karnapke: karnapke@boell-brandenburg.de

Veranstaltungsort:
Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Veranstaltungsraum, Ehemalige Häftlingswäscherei
Straße der Nationen 22, 16515 Oranienburg
Anfahrt: Mit dem Regionalexpress oder S-Bahn-Linie S1 bis Bhf. Oranienburg. Vom Bahnhofsvorplatz Oranienburg fährt die Buslinie 804 (Richtung Malz) bis zur Gedenkstätte oder dem ausgeschilderten Fußweg zur Gedenkstätte folgen (ca 20 Min).

 
Kontakt und weitere Informationen
Susann Karnapke, Nora Bosse
Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg e.V.
Dortustraße 52 |14467 Potsdam
Fon 03 31 - 20 05 78 15
karnapke@boell-brandenburg.de | bosse@boell-brandenburg.de

www.boell-brandenburg.de