Online-Veranstaltung
- Montag, 30. März 2026 18.00 – 19.15 Uhr In meinem Kalender speichern
Es geht auch anders! Migration in Gegenwart und Zukunft #Weiterkämpfen
Ein Gespräch über zivile Seenotrettung und die Justice Fleet Allianz
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Es geht auch anders! Migration in Gegenwart und Zukunft lädt die Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg zum Gespräch mit Chris Grodotzki und Luna Ali ein.
Ohne ein umfassendes europäisches Rettungsprogramm hat sich das Mittelmeer zu einem Massengrab für Flüchtende entwickelt. Seit dem Ende des italienischen Rettungsprogramms Mare Nostrum im Oktober 2014 haben mindestens 20.750 Menschen ihr Leben verloren. Die EU verfügt über alle notwendigen Werkzeuge, um Leben auf See zu retten. Doch der fehlende politische Wille führt zu einer unerträglichen Situation, in der Menschen auf der Flucht wie Kriminelle behandelt werden. (Sea-Watch, 2024)
Zivile Seenotrettungsorganisationen wie Sea-Watch, SOS Humanity und viele weitere sind die einzigen, die derzeit Menschenrechte auf dem Mittelmeer verteidigen. Zehn Jahre nach dem langen Sommer der Migration schlossen sich 13 dieser Organisationen zusammen und gründeten im November 2025 die Justice Fleet – die größte Allianz ziviler Such- und Rettungsorganisationen im Mittelmeer, die es je gab. Sie reagieren damit auf die eskalierende Gewalt gegen Flüchtende und zivile Rettungsschiffe, die seit Jahren systematisch vor allem durch die sogenannte libysche und die tunesische Küstenwache ausgeübt und von der EU und ihren Mitgliedsstaaten unterstützt wird.
Die Allianz will Angriffe und politische Repressionen durch Behörden mit gebündelten Ressourcen und Kompetenzen besser abwehren. Außerdem setzt sie sich erfolgreich vor Gericht zur Wehr gegen die Festsetzung von Rettungsschiffen und gegen Sanktionen durch die italienische Regierung. Sie fordert das Ende der Kriminalisierung und bürokratischen Sabotage von Seenotrettung durch italienische Behörden und verweigert die operative Kommunikation mit der gewalttätigen sogenannten libyschen Küstenwache.
Mit Chris Grodotzki und Luna Ali möchten wir über die Vision, politischen Forderungen und Errungenschaften der Allianz sprechen.
Chris Grodotzki ist Fotograf und Journalist und begleitet die zivile Seenotrettung seit den Anfängen 2015. Er arbeitete bei Sea-Watch als Medienkoordinator, Organisationssprecher, Seefahrer und Einsatzleiter an Bord der Sea-Watch 5. 2025 veröffentlichte er die Chronik »Kein Land in Sicht: 10 Jahre zivile Seenotrettung«. Derzeit koordiniert er die Justice Fleet Allianz.
Luna Ali ist Autorin und Mitglied des Sea-Watch Airborne Teams, das Menschenrechtsverletzungen von der Luft aus dokumentiert und Seenotfälle meldet. Sie ist Tochter politisch verfolgter Syrer*innen und war bei Alarm Phone aktiv, einer Notfallhotline für Menschen in Seenot.
Moderation: Geraldine Mormin, Bildungsreferentin der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt
Die Veranstaltung findet online über Zoom statt. Eine Teilnahme ist nur nach Anmeldung möglich.
Eine Veranstaltung des Heinrich-Böll-Stiftungsverbunds der Landesstiftungen Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und der Bundesstiftung.
Zum thematischen Hintergrund der Reihe:
Grenzen töten, Menschen werden kriminalisiert, Kommunen sind überfordert – das Thema Migration ist viel diskutiert und es gibt viele Herausforderungen. Häufig ist die Debatte sehr polarisiert und wird von rechts vereinnahmt. Viele Missstände, wie die Folgen der Klimakatastrophe und des demographischen Wandels, prekäre Wohnsituationen und Fragen zu Arbeit und Mobilität betreffen alle Menschen in unserer Gesellschaft – nicht nur Migrant*innen. Wir möchten gegenwärtige Krisen im Hinblick auf Alternativen diskutieren. Unser Blick soll zeigen, wie es gehen könnte und bereits an vielen Orten geht.
Wir möchten restriktiven Migrationspolitiken und rechten Diskursen konkrete Visionen einer solidarischen Gesellschaft entgegensetzen. Welche Zukunftsvisionen, welche Ideen, welche Praxisbeispiele für eine menschenrechtsorientierte Migrations- und Asylpolitik gibt es? Wie kann eine Welt aussehen, in der Migration nicht kriminalisiert, sondern als globale gesellschaftliche Realität anerkannt wird? Welche Ideen für ein menschenwürdiges Wohnen und Arbeiten von (geflüchteten) Menschen und für solidarisches Miteinander gibt es? Wie können wir in Zukunft zusammenleben? In jeder Veranstaltung dieser Reihe sprechen wir zu einem Thema mit einer Expert*in, die uns zeigt, wie es anders geht.
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- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung im Stiftungsverbund
- Sprache
- Deutsch