Fachgespräch
- Donnerstag, 23. April 2026 18.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
KI, Erinnerung und Migration
Wessen Geschichte überlebt den Algorithmus?
Jeder Mensch, der seine Heimat für immer verlässt, trägt eine Geschichte mit sich. Diese Geschichten sind zerbrechlich: Sie verändern sich mit jeder Wiederholung, jedem Formular, jedem Gespräch in der Ausländerbehörde. Nun halten Algorithmen Einzug in diesen Prozess: Sie bewerten Asylanträge, sortieren biometrische Daten und erstellen Risikoprofile. Was sie produzieren, ist eine maschinell erstellte Version eines Lebens. Eine Version, die über Leben und Tod entscheiden kann.
Doch der Druck ist auf beiden Seiten enorm. Asylbehörden in ganz Europa sind mit Tausenden unbearbeiteten Anträgen überlastet. Künstliche Intelligenz verspricht Entlastung.
Wenn wir uns diesen Tools zuwenden, müssen wir uns den schwierigen Fragen stellen:
- Wer hat das Sagen? Wer schreibt den Code, der darüber entscheidet, wer bleibt und wer geht?
- Kann eine Maschine ein Trauma verstehen? Künstliche Intelligenz ist auf Muster und Daten ausgelegt, Migration hingegen wird durch das Einzigartige und Unvorhersehbare definiert.
- Das Recht, zu vergessen: Ist für diejenigen, die vor einer schmerzhaften Vergangenheit fliehen, das „perfekte Gedächtnis“ einer KI Fluch oder Segen? Was geschieht mit dem Recht von Geflüchteten auf einen Neuanfang?
Nur begrenzte Plätze verfügbar. Eintritt frei. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt. Wir bitten um Anmeldung: https://luma.com/pc73uzc3
Die Veranstaltung findet im CIC Berlin statt, Aethos Office, 3. Stock, Lohmühlenstraße 65, 12435 Berlin, Deutschland.
Programm
18:00 Uhr – Einlass, Fingerfood & Getränke
18:30 – Begrüßung & Einführung – Karin Garcia (Gründerin und Herausgeberin von ΦAI): Wie Geschichten, Erinnerung und Migration sich überschneiden – und warum KI uns zwingt, neu zu überdenken, wessen Erinnerungen bewahrt, verzerrt oder ausgelöscht werden
19:00 – Impulse von Expert*innen – gefolgt von einem moderierten Gespräch:
- Roshan Melwani (Oxford Institute for Technology and Justice): Die Menschenrechtsperspektive. Überwachung, Voreingenommenheit und die Auslöschung der Stimmen von Migrant*innen in KI-Systemen
- Manuela Verduci (Kiron Digital Learning Solutions): Die praktische Perspektive. Wie digitale Werkzeuge migrantische Communities stärken
- Mekonnen Mesghena (Heinrich-Böll-Stiftung): Die politische Perspektive. Wie deutsche Behörden den Einsatz von KI in der Migrationssteuerung erwägen, unter welchem Druck sie stehen und was die Zivilgesellschaft dagegen unternimmt
19:30 – Interaktive Übung: An vier Stationen mit unterschiedlichen KI-Prompts geben die Teilnehmenden dieselbe (Migrations-)Geschichte ein und beobachten die Ergebnisse. Was fügt die KI hinzu? Was verzerrt sie? Was löscht sie?
20:00 – Gemeinsame Auswertung: Welche Muster zeichneten sich an den verschiedenen Stationen ab? Wie fühlte es sich an, mitzuerleben, wie eine Erinnerung von einer Maschine umgestaltet wurde?
20:15 – Networking
Über die Organisator*innen
ΦAI (phiand.ai) ist ein von Autor*innen geführtes Online-Magazin, das sich dem anspruchsvollen, interdisziplinären Dialog über die gesellschaftlichen, ethischen und existenziellen Dimensionen der künstlichen Intelligenz durch reflektiertes Schreiben, kollektive Forschung und ein Engagement für ein humanistisches Verständnis widmet.
Das Foresight Institute am CIC Berlin bringt Denker*innen und Macher*innen zusammen, die an langfristig nützlichen Technologien arbeiten.
AEthos stellt die Räumlichkeiten und die Community-Infrastruktur im CIC Berlin zur Verfügung.
Kontakt:
Lotti Schulz | Referat Migration und Diversity
E lotti.schulz@boell.de | 030-28534-283
heimatkunde.boell.de
- Adresse
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▶ Siehe Veranstaltungsbeschreibung
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
- Sprache
- Englisch