Online-Diskussion Dienstag, 15. September 2020

Libanons Krisen, Katastrophe und Kollaps: Wendepunkt für Wiederaufbau und Reformen?

Eine Diskussion mit Expert/innen und Aktivist/innen

AW1U8229 / Dealing with the Past Program/ Beirut Blast Response/ Restart organization/ Mar Mikhael, Beirut/ Photo by UN Women, Ibrahim Dirani - Dar Al Mussawir, August 21st, 2020. Urheber/in: UN Women Arab States. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons License.
Datum, Uhrzeit
Dienstag, 15. September 2020,
19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
▶ Online-Veranstaltung

Sprache
Deutsch
Englisch
Simultanübersetzung
Veranstalter/in
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin

Die globale Corona-Pandemie hat die im Libanon  schwelenden akuten und strukturellen Krisen verschärft. Schließlich brachte die Explosion im Hafen von Beirut Anfang August das Land an den Rand eines Kollapses. Das Land befindet sich ökonomisch, sozial und politisch in einer äußerst prekären Situation. Die Wirtschaftskrise hat seit Ende letzten Jahres ca. 50% des nationalen Vermögens und ein Drittel der Jobs vernichtet. Die Hälfte der Gesamtbevölkerung lebt mittlerweile unterhalb der Armutsgrenze - einer Armut mit Gendergefälle: Frauen sind stärker betroffen, insbesondere auch Arbeitsmigrantinnen und Geflüchtete. Die humanitäre Notlage, vor der  internationale Organisationen schon Wochen vor der Explosion gewarnt haben, ist eingetreten. Ausgelöst wurde die Krise durch die Finanzpolitik der libanesischen Eliten, die sich mit Hilfe eines finanziellen Schneeballsystems bereichert und dabei einen Staatsbankrott in Kauf genommen haben. Im Gegensatz zu früheren Krisen waren internationale Geber vor der Explosion im Hafen nicht bereit, einen Zusammenbruch durch kurzfristige Budgethilfen zu verhindern. Sie forderten zunächst umfassende wirtschaftliche und politische Reformen. Auch der Einfluss der Hisbollah auf die Regierung stellt ein Hindernis für internationale Unterstützung dar. Die „Thawra“ (Revolution) genannte Demokratiebewegung hat nach dem monatelangen Corona-Lockdown kaum noch effektive Hebel, ihre Forderungen durchzusetzen. Im Gegensatz zur traditionellen Führungselite ist sie politisch und gesellschaftlich diverser aufgestellt und hat zudem auch genderpolitische Themen in die politische Auseinandersetzung eingebracht. Ihre Hauptforderung war die Einsetzung einer unabhängigen Expert/innenregierung zur Bewältigung der akuten Wirtschaftskrise. Doch die Explosion hat nun eine neue Situation geschaffen.

In dieser Veranstaltung diskutieren Expert/innen und Aktivistinnen u.a. zu folgenden Fragen:

- Humanitäre Hilfe, Wiederaufbau und Stabilität: Wie kann das politische System und die Wirtschaft reformiert und wiederbelebt werden, ohne die etablierten Eliten erneut zu stärken?

- Wird die seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Konstellationen regierende politische Elite mehr als kosmetischen Reformen zustimmen?

- Welche alternativen Vorstellungen gibt es für das politische und wirtschaftliche System des Libanons und welche Rolle können die neuen Bewegungen dabei spielen?

Mit:

  • Diana Moukalled, Journalistin und Dokumentarfilmerin, Beirut
  • Nizar Hassan,  Politikwissenschaftler, Podcaster und Drehbuchautor, Beirut
  • Rosalie Berthier, Direktorin von Synaps, Institut für Wirtschaftsforschung, Beirut
  • Joachim Paul,  Leiter des Büro Beirut der Heinrich-Böll-Stiftung

Moderation: Dr. Bente Scheller, Referatsleiterin Nahost und Nordafrika, Heinrich-Böll-Stiftung

 

Information:
Birgit Arnhold, Programmkoordinatorin Nahost und Nordafrika, Heinrich-Böll-Stiftung

E-Mail: arnhold@boell.de


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